INNEN UND AUßEN


Vorne und Hinten,
Im Abendlicht vermischt.
Durchsichtiges Glas.

Liebe LeserInnen, die ethischen Prinzipien des Buddhismus können im Grunde auf zwei Maxime reduziert werden. Das Unheilvolle unterlassen. Das Heilvolle tun. Weiter gehen wir davon aus, dass absolut alles was wir tun, denken, sagen, schreiben, tun oder unterlassen zu tun sich unwiderruflich auf unsere Zukunft auswirken wird. Weil dies so ist, glauben ich dass es meine Pflicht ist doch noch auf die Gründe einzugehen, die mich dazu veranlassen mit diesem Blog eine Pause einzulegen. Zum einen sind da äußere Faktoren und zum anderen sehe ich auch innere Gründe für diese Entscheidung.

Im Äußerem ist, wie bereits erwähnt, deutlich spürbar wie gewisse Gruppierungen die Religionsfreiheit wieder in Frage stellen indem sie ein Klima der Anfeindung gegenüber Andersdenkende- und glaubende auf den Strassen der Stadt schaffen. Auch kann wahrgenommen werden, dass die Pressefreiheit immer mehr in Gefahr gerät. Die Politik hat zwar bereits erste Schritte eingeleitet um diesem Zustand entgegenzuwirken, davon zeugt die Ernennung eines EU Sonderbotschafters für Religionsfreiheit, jedoch sind diese Maßnahmen noch sehr weit von unserer konkret gelebten Wirklichkeit entfernt. Die Probleme welche verhindern, dass das Grundrecht auf Religionsfreiheit uneingeschränkt für alle geltend gemacht werden kann, sitzen nämlich viel tiefer. Sie haben vor allem damit zu tun, dass das was im Grundgesetz als Religionsfreiheit definiert wird, in der Gesellschaft de facto durch das Recht des Stärkeren ersetzt wird . Wer die besseren Kontakte hat, wer am besten vernetzt ist, wer am besten in der Politik und im Staat vertreten ist, bestimmt was die Religionsfreiheit ist. Auf dieser Weise ist es wohl mehr als einleuchtend, dass es eine große Diskrepanz zwischen der Theorie im Grundgesetzt und der auf den Strassen tatsächlich gelebten Religionsfreiheit gibt. All dies wäre nicht so schlimm, würde die Situation nicht stark an den Zustand der 30er Jahre erinnern. Man braucht nämlich kein Religionswissenschaftler oder Historiker zu sein um zu wissen, dass damals das gespannte Verhältnis zwischen rechte Katholiken und Juden den Nationalsozialisten ein willkommenes politisches Instrument war, dass ihnen schließlich zur Macht verholfen hat. Sind wir heute wirklich so weit davon entfernt? Kleinigkeiten, die gar nicht so klein sind sprechen das Gegenteil. Muslimen wird das Recht auf eigenen Religionsunterricht verwehrt obwohl sie eigentlich einen verfassungsrechtlichen Anspruch darauf hätten. Journalisten und Blogger, werden auf der Strasse offen diskriminiert, attackiert, mit Anzeigen überhäuft, finden keine Arbeit, geraten vielseitig unter Druck. Ganzen Religionen darf das Existenzrecht infragegestellt werden und werden medial als die neuen Feindbilder aufgebaut. Dies ist nur deshalb möglich, weil die Mehrheit es erlaubt. Weil jene die sprechen sollten es vorziehen zu schweigen. Haben wir das nicht schon mal erlebt?
Manche sagen die Trennung zwischen Staat und Kirche wäre die Lösung. Vielleicht. Jenseits der Spekulation Tatsache ist aber, dass die weltanschauliche Neutralität im staatlichen Raum nur ein Wunschtraum geblieben ist. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es die Natur der religiösen Praxis ist, nicht neutral zu sein. Deshalb braucht Deutschland mehr als nur Absichtserklärungen um die Religionsfreiheit in der Gesellschaft zu garantieren. Es bedarf an Foren und Instanzen die sicherstellen, dass alle Gruppen in der Gesellschaft, inklusive Atheisten und Agnostikern, gleichermaßen mitgestalten was unter Religionsfreiheit verstanden wird. Viele Menschen genauso wie ich, sind sich sicher, dass solche Foren der Demokratie jene Vitalität zurückgeben würden, die sie so dringend braucht.

Wie gesagt sind da aber nicht nur äußere Faktoren die mich zu einer Pause bewegen. Zum anderen ist da auch die Meditationspraxis. Diese ermahnt mich daran, dass wenn ich nur noch die Äußere Welt um mich herum verändern möchte, dass es dann wieder an der Zeit ist, an der Sicht zu arbeiten, welche die Welt wahrnimmt. Das bedeutet jene Veränderung zu sein, die ich in der Welt gerne sehen will. Aus der Sicht der Einheit nämlich gehört absolut alles dazu. Die Einheit ist Hier und Jetzt in Allen Dingen präsent.

Meister Nyojo, der Lehrer von Meister Dogen, der Begründer der Soto Zen Schule sagte Mal:

Richtet eure Knochen auf dem ebenen Boden auf,
Schaufelt euch eine Höhle im Raum.
Überschreitet die Schranken des Dualismus
Und erfasst die Welt der Nicht-Unterscheidung.

Mit diesem Gedicht, leitete er das Sommer Training ein. Eine Zeit des stillen Verweilens, dass auf Buddha Shakyamuni zurückgeht. In Indien dauerte die Regenzeit des Monsuns ca. 3 Monate und in dieser Zeit kam die gesamte Gemeinde um zusammen mit Buddha ein besonders intensives Zazen-Trainning abzuhalten. An dieser Tradition möchte ich anknüpfen und den Blick der Aufmerksamkeit nach Innen richten. Auch wenn Innen und Außen nur eine didaktische Unterscheidung ist. Haltet Euch gut. Gassho.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

ZEN UND DAS GEFÜHL

SONY DSC
Der reine Spiegel,
Reflektiert alles wieder.
Makellos genau.

Ich muss gestehen es gibt Tage an denen ich glaube, dass die Sonne nicht mehr aufgehen will. Tage an denen es mir vorkommt als würden die Blumen in der Wüste wachsen und die Blätter der Bäume seien aus Sand. Tage an denen ich fest glaube, dass die nächtliche Spiegelung des Mondes auf dem Wasser, der Mond sei. An solchen Tagen frage ich mich worauf ich hören soll, auf mein Gefühl oder doch auf meinen Verstand. Ich überlege hin und her, vergleiche, wäge ab: Ist es das alles Wert? Was bringt mir das überhaupt? Ein Wirklichkeit gewordener Traum muss nicht unbedingt ein Traum bleiben. Es kann auch einfach nur die Wirklichkeit sein, die Ihre Unschuld nicht mehr zu verstecken braucht. Andererseits ist da auch das reine Gefühl. Das Gefühl, dass mich überkommt wenn ich durch die Strassen dieser Stadt gehe und ich anfange zu überlegen, was ich hier so alles schon erlebt habe. Eine Empfindung, die an Intensität gewinnt wenn ich mich daran zu erinnern anfange, was mich Alles hierher gebracht hat. Wie viele Menschen, wie viele Geschichten, wie viele Situationen. Ein Gefühl das meinen ganzen Körper erfasst, wenn ich zu überlegen beginne was die Generationen vor mir genau an dieser Stelle wo ich jetzt gerade bin alles erlebt haben müssen, damit diese Stadt heute uns allen Schutz, Geborgenheit und ein Zuhause sein kann. In solchen Augenblicken, verspüre ich oft ein merkwürdiges Gefühl der Scham. Mein Eigennutz wird mir besonders bewusst. Der Intellekt mit seiner ständig im Hintergrund agierenden Frage, was mir das alles persönlich bringt. Eine Frage, die das reine Gefühl verunreinigt, ja sogar verunglimpft. Ich stelle fest, dass das der Ort sein muss and dem die Gleichgültigkeit und die Feigheit ihren Ursprung haben müssen. Wenn wir anfangen abzuwägen warum wir das tun was wir gerade tun. „Ist es das wert?“ ist nicht eine harmlose Frage stelle ich fest, es kann auch ein Vorwand sein und vor allem zeigt sie inwieweit das reine Gefühl vom Intellekt getrübt ist.

So einfach ist das nicht. Das Herz kann durch die Liebe verwundet worden sein. Das reine Gefühl muss also geschützt werden. Es benötigt Reife, es darf nicht so verletzlich sein. Mauern müssen her um es zu behüten. Ist das wirklich war? Wenn die Stimme des Zweifels durchsickert ist das Wasser doch schon trüb. Das ist, das was mir das reine Gefühl sagt und stelle damit fest, dass dieses Gefühl nicht nur eine Empfindung ist. Dafür ist seine Stimme zu klar. Deutlich glaube ich zu vernehmen, dass sie anwesend ist noch bevor das Denken einsetzt, noch bevor ich abwägen kann. Sie ist so klar wie ein makelloser Spiegel der Alles wahrheitsgetreu wiedergibt. Das ist die Stimme, die mich persönlich daran ermahnt, dass in Zeiten in denen die Einhaltung der Grundrechte nicht gewährleistet werden kann, es klüger wäre zu Schweigen wie ein Baum. Nur so schafft es ein Baum den Frühling mit dem selben Gemüt zu empfangen wie den Sommer oder auch den Herbst. Er schweigt. Doch diese Weisheit des Baumes besitze ich nicht. Im Gegensatz zu einem Baum, kann ich wieder gehen wie ich gekommen bin. Womöglich, dahin wo die freie Meinungsäußerung noch ein erklärtes Ziel ist. Dahin wo den Menschen die Meinung der anderen, sei sie noch so verschieden, so wichtig ist wie die eigene Meinung selbst. Womöglich, dahin wo das Gesetz auf Religionsfreiheit nicht für eine Gruppe allein gültig ist. Dahin, wo unter Vielfalt nicht ein zurecht geschorener Garten verstanden wird, sondern eine Wiese, wo viele verschiedene Blumen einen Platz haben, sogar das Unkraut. Ja, vielleicht tue ich das sogar. Es ist sehr wahrscheinlich. Aber noch nicht jetzt. Noch nicht jetzt, denn gerade in diesem Augenblick, wenn Jetzt vollständig Jetzt ist, habe ich gar keine Wahl als Hier zu sein. Das sagt mir das reine Gefühl, der Geist der da ist noch bevor das Denken einsetzt.
Wenn ich jetzt gerade bleibe, dass ist es also nicht weil ich nichts gelernt hätte aus der Vergangenheit. Es ist auch nicht weil ich glaube etwas besser zu wissen als alle anderen. Es ist einzig und allein, weil ich festgestellt habe, dass es zu diesem Augenblick es keine Alternative gibt. Und nicht nur dass es zu diesem Augenblick es keine Alternative gäbe, dieser Augenblick ist alles was ich habe. Dieser Augenblick ist alles was ich bin. Je nachdem wie wir es anschauen kann das sehr wenig oder sehr viel sein, für mich auf jeden Fall hat es unermesslichen Wert. Es gibt mir zum Beispiel die Gewissheit darüber, dass Anna Seghers mit der Behauptung der Faschismus hätte ein Niemandsland zwischen den Generationen gelegt, nicht ganz Recht gehabt hat. Das sagt mir heute das reine Gefühl. Die Menschen sind durch etwas verbunden, dass jenseits der Tradition, der Kultur, der Sprache und sogar der Zeit liegt.

Ich muss gestehen es gibt Tage an denen ich nicht genau erkenne, dass es mir an nichts fehlt. Tagen an denen ich mir wünschte ich wäre gesünder, ich wäre jünger, attraktiver und hätte mehr Geld. Tagen an denen ich nicht genau erkenne, dass die Dinge das sind was sie sind. Tagen an denen ich vergesse, dass es nichts gibt, was das reine Gefühl nicht durchdringt.

Liebe FreundInnen, in Deutschland dürfen gewisse Gruppierungen die Religionsfreiheit wieder in Frage stellen. Ein Klima der Anfeindung gegenüber Andersdenkende- und glaubende ist auf den Strassen deutlich zu spüren. Auch die Pressefreiheit ist in Gefahr, denn immer mehr sind die Journalisten und Publizisten, die nicht nur öffentlich in Frage gestellt werden, sondern auch privat Einschränkungen erleben müssen. Dies ist ein Zustand, den nur die Politik und die Exekutive lösen können. Darum bitten wir um Verständnis dafür, dass solange diese Grundrechte nicht gewährleistet werden können, wir die Aktivität dieses Blogs einstellen müssen. Es gibt nämlich keinen einzigen Grund zu streiten. Zumindest aus der Sicht des Buddha Dharmas nicht. Mögen alle Wesen Glücklich und zufrieden sein. Gassho.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

EMANZIPATION UND ZEN


Die Statue aus Stein,
Ist die halbe Wahrheit nur.
Unendlicher Strahl.

Das Wasser, das in der Brandung zerschellt. Ein einsamer Stein. Die Sterne, die Licht spenden selbst in der finstersten Nacht. Der kalte Wind. Eine Blume welche Ihre Knospen zu öffnen beginnt. All diese Dinge benötigen die Schminke nicht. Sie bedürfen keinerlei Rechtfertigung um sich selbst zu sein. Sie müssen nicht bis dahin gehen wo sich die Grenzen auflösen und wo es kein zurück mehr gibt um vollständig sich selbst zu sein. Sie müssen nicht auf andere hinweisen um ganz und gar das Wasser, der Stein, die Sterne, der Wind oder die Blume zu sein. Das Selbe können wir von uns Menschen nicht sagen. Wir sind oft enttäuscht, einsam, sehnsüchtig und alt und möchten immerwährend stattdessen glücklich, geborgen, zufrieden und jung sein. Doch so funktioniert die Emanzipation nicht. Vollständig sich selbst zu sein heißt nicht, dass es einen besseren Augenblick gibt, der besser wäre als Jetzt. Sich emanzipieren heißt etwas vom ganzem Herzen tun.

Doch was heißt etwas vom ganzem Herzen tun? Heißt es der nackten Emotion zu folgen so wie sie ist? Sich den Gefühlen die aufkommen vollständig anzuvertrauen noch bevor das Denken einsetzt? Oder heißt es vielleicht etwas aus voller Überzeugung zu tun? Also aus einem Reifeprozess heraus zu handeln, nach dem genauestens erwägt wurde was gut und nützlich ist und was nicht? Ich weiß es nicht. Bei der ersten Variante fehlt es mir an Weisheit. Bei der zweiten an Spontaneität. Wenn ich mich den Gefühlen überlasse ist die Folge meiner Taten nicht immer heilvoll. Andererseits, müsste ich über Alles erstmal nachdenken, würde ich die Synchronizität vermissen, die es zwischen dem Herzen und alle Dinge dieser Welt gibt. Die Bewegung der Innenwelt im selben Rhythmus wie die Außenwelt.

Im gesellschaftlichen Alltag wird für gewöhnlich unter Emanzipation die Ungleichbehandlung der Frau verstanden. So verbinden wir mit der Emanzipation oft eine Bemühung in einer gewissen Richtung. Wir assoziieren damit den Widerstand, den Kampf um die Gleichberechtigung und damit mit einer bewussten Positionierung in einen gewissen gesellschaftlichen Kontext. So gesehen wird die Emanzipation gesellschaftlich oft wie eine ständige Diskriminierung verstanden. Wie eine bewusste Entscheidung in einer ganz bestimmten Richtung. Manche Experten sprechen sogar von einer positiven Diskriminierung, weil es eine Andersbehandlung ist, die einem guten Zweck dienen soll. Ich muss gestehen, dass spätestens an dieser Stelle es bei mir „Halt!“ schreit. Ich frage mich, wie kann ich etwas vom ganzem Herzen tun wenn ich weiß, dass dem eine Diskriminierung zugrunde liegt. Ist da nicht Anstrengung, Willenskraft ja sogar Gewalt? Die so typischen Ingredienzien für die Illusion der Kontrolle und der Manipulation. Haben wir das nicht schon Mal erlebt? Das Ausgrenzen von Andersgläubigen, das öffentliche Mobbing, die offene Diskrimination? Nein, das hat nichts mit der wahren Emanzipation zu tun, das hat auch nichts mit Religion zu tun, denn auch im Glauben spielt die Emanzipation eine Rolle wenn darunter ein Befreiungsprozess verstanden wird. Das ist ein verschieben der Machtverhältnisse bloß. Gibt es eine Rechtfertigung dafür? Wirklich? Wo sind da die Grenzen? Die Liebe ist dem Hass so nah, dass man oft den Unterschied kaum noch erkennt. Genauso nah wie die Demokratie dem Faschismus und seinem Diktat. Lieber Taxifahrer, liebe Verkäuferin von Nebenan, liebe Bekannte, lieber Freund, im Grunde ist es ganz einfach. Es ist wie mit der Lüge: wenn Du lügst, dann bist du im selben Augenblick ein Lügner und sonst nichts. Genauso ist es mit der Diskriminierung auch. Wenn Du andere diskriminierst , weil sie nicht an das selbe glauben wie Du, oder weil er/sie anders aussieht, dann bist du ein Rassist. Geht es deutlicher noch? Und da hilf auch nicht die Ausrede, dass dein Freund ein Ausländer ist und dass Du im Grunde tolerant bist. Was mich angeht, wenn das die Befreiung der Emanzipation sein soll, dann bin ich lieber ganz und gänzlich unfrei. Ich weiß, Du kannst damit leben, aber wie weit sind wir da noch von der Reichskristallnacht? Also bitte sei auch Du mir nicht Böse wenn ich mit der angeblich positiven Diskriminierung überhaupt nicht einverstanden bin und mich massiv dagegen wehren muss. Auch wenn es mich meine innere Ruhe kostet aber die Emanzipation auf Kosten von Feindbildern ist so leicht instrumentalisierbar. Mit all dem will ich nicht sagen, dass es die Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft nicht gibt. Damit will ich lediglich sagen, dass Unrecht durch Unrecht begleichen zu wollen ist eine Rechnung die sich nicht ausgehen kann. Einfach deshalb, weil wer ein Schild bekommt, dem verlangt es gleich anschließend nach einem Schwert. Damit wären wir beidem was die innere Ruhe wirklich ist. Viele Menschen denken, die innere Ruhe wäre eine Art innere Vertiefung bei der wir uns abkapseln oder Urlaub machen von der Welt und von uns selbst. Sie sind der Meinung die Gelassenheit die wir bei der Meditation erfahren, wäre eine Art Passivität oder ein sich flüchten in einer anderen, vermeintlich heileren, Welt. Aber diese Entspannung ist nur ein Nebeneffekt. Viel wichtiger ist die Erkenntnis. Die Erkenntnis darüber, woher die Dinge kommen und wohin sie sich bewegen. Die Erkenntnis über unsere eigene Vergänglichkeit und unsere wirkliche Essenz. Diese ist die Erkenntnis, welche die wirkliche Emanzipation bewirkt.

Die Emanzipation ist deshalb gleichbedeutend mit etwas vom ganzem Herzen tun. Es ist eine kreative Energie, die aus der Erkenntnis resultiert, dass die Trennung eine Illusion ist. Es ist die Freude darüber endlich verstanden zu haben, dass wir nicht Allein sind und deshalb Fortschritte nur gemeinsam möglich sind. Ich lenke meine Aufmerksamkeit nach Innen und glaube zu erkennen, dass da tatsächlich etwas ist, das uns alle gleichermaßen betrifft und uns alle in unserer Entwicklung hemmt. Etwas, dass unabhängig von Geschlecht, alter, ethnischer Herkunft, Nationalität oder Religion uns allen ein gemeinsames Hindernis ist auf den Weg vollständig wir selbst zu sein. Unsere Konditionierungen. Unsere spezifische und individuelle Art und Weise die Welt und uns selbst wahrzunehmen. Das was uns zu Individuen macht, worin aber gleichzeitig das Leiden keimt. Das ist das Feld für die wirkliche Emanzipation. Männer haben ihre Rollenbilder genauso wie Frauen auch. Sind die einen deshalb glücklicher oder besser als die anderen? Lässt sich das wirklich sagen? Das heißt nicht etwa wir sollen die Schminke aufgeben wenn es uns gefällt geschminkt zu sein. Es heißt lediglich, dass die Möglichkeit besteht, dass das was wir denken und finden (das was wir für gewöhnlich „ich“ nennen und so für wichtig halten) auch nur ein Haufen zusammengewachsener Konditionierungen sein kann. Ob mehr dahinter ist? Ich weiß es nicht. Sich auf den Weg machen und es selbst entdecken zu wollen, das heißt Emanzipation. Auf jeden Fall wäre es nicht tragisch ja sogar grotesk andere zu diskriminieren, wenn wir nicht mal wissen wer wir wirklich sind?

Die Brandung ist die Brandung, darum zerschellen an ihr die Wellen und das Wasser kehrt zurück in den Ozean. Wäre der Stein nicht einsam, dann wäre er nicht der Stein. Die Sterne sind die Sterne darum spenden sie Licht selbst in der finstersten Nacht. Der Wind weht aus den hohen Norden darum ist er kalt. Eine Blume öffnet ihre Knospen und kündigt damit den Frühling an. Sie vergleicht sich nicht, ihr verlangt es nach der Anerkennung der Bäume und des Windes nicht. Sie ist vollständig eine Blume und deshalb sagen wir Menschen sie sei schön.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

ZEN UND DIE NORMEN


Die hohen Mauern,
Halten das Wasser nicht auf.
Es verändert die Form.

Die Normen sind des Rhythmus Feind. Sie behindern den freien Fluss. Sie haben den Anspruch das zu hemmen was im Grunde unaufhaltsam ist. Sie bezwecken einzugrenzen was keinen Anfang hat und zu beenden was unendlich ist. Kein Wunder, dass sie ganz und gar unpassend wirken. Unnatürlich, aufgesetzt, grob und oft durch und durch zwecklos. Wie der Vorsatz den Wind mit einem Netz einfangen zu wollen. Wie der Wunsch den Frühling aufzuhalten. Oder wie der Versuch die Strahlen der Sonne mit einem Finger zu verdecken. Und doch verwenden wir sie, die Normen und die Regeln. Nicht zuletzt, weil sie das Verständnis und die Kommunikation ermöglichen. Wäre es aber deswegen richtig die Normen und die Regeln mit dem Sein zu verwechseln? Wäre das nicht eine gefährliche Vereinfachung von etwas dass unsagbar vielfältig und spontan ist? Hören wir nicht schon bei dem Gedanken allein die Monotonie einer Marschmusik?

Nehmen wir doch nur die Einsamkeit. Die Einsamkeit denken wir oft als eine Art Ungnade, als ein Schlag des Schicksals. Wir denken die Einsamkeit sei langweilig, sie sei langsam, traurig und unattraktiv. Doch schwingt bei all diesen Assoziationen nicht auch die Angst mit? Die Furcht vor der Ungewissheit oder die Angst uns im kaltem Nebel der Einsamkeit selbst zu begegnen und überhaupt nicht zu mögen was in uns selbst ist? Andererseits aber, was geschieht wenn wir die Ungewissheit so nehmen und akzeptieren wie sie ist? Welche Verwunderung können wir erleben, wenn der Nebel der Gedanken sich plötzlich auflöst. In solchen Augenblicken verstehen wir wirklich, dass das Leben von Augenblick zu Augenblick in Wirklichkeit ein immerwährendes Abenteuer und ein Ort der Begegnung ist. So gesehen, kann die Einsamkeit auch ein Geschenk sein. Weder Verschlossenheit noch Strafe, sondern der Treffpunkt für die Innen- mit der Außenwelt. Aus dieser Perspektive, was repräsentiert ein moralisierender Zeigefinger der uns auferlegen will, dass die Einsamkeit unerwünscht sei und gleichbedeutend mit einer Depression ist? Für mich zumindest ist das ein Ausdruck von zutiefst verwurzeltem Leid. Es repräsentiert nicht nur den Versuch der Kolonialisierung der Lebenswelt, es drückt Ignoranz aus. Die Unwissenheit über wer wir wirklich sind.

In der Gesellschaft ist dieser Versuch Normen und Regeln durchzusetzen ein erprobtes Mittel der Politik. Nicht nur im Establishment, sondern durchaus auch wenn es um die Emanzipation geht. Es wird moralisiert um Wirkung zu erreichen und um den Willen einer gerechten Sache werden die alten Bilder durch neue ersetzt. Die Frage ist nur, ob auf diese Weise wirkliche Emanzipation möglich ist. Nicht nur dass alte Illusionen durch neue ersetzt werden, und dies wird uns als Emanzipation verkauft, sondern bleibt der Zustand der Abhängigkeit bestehen und damit unsere Lebenswelt auch weiterhin begrenzt. An dieser Stelle angelangt sagen manche, das wahre Gesicht würde sich dann manifestieren wenn alles aus dem Inneren an die Oberfläche unseres Verhaltens kommt. So raten sie an: „Du muss klar sprechen“, „Du muss dich durchsetzen lernen“, „Du brauchst Hardskills“, „Du muss schön sein“, „Du muss toleranter, offener, erfolgreicher sein“, „Und überhaupt muss Du anders sein als Du jetzt gerade bist“. Ist jeder dieser Ratschläge im Grunde nicht doch nur ein Schlag? Die Botschaft dahinter ist doch: „Hier und Jetzt bist Du nicht in Ordnung so wie Du bist. In der Zukunft vielleicht, und nur wenn Du wirklich etwas dafür tust“. Kein Wunder, dass beim befolgen solcher Ratschläge gleich von Beginn Frustration und Wut aufkommt. Ein Gefühl, dass mit der Zeit stärker und stärker werden kann, wenn wir feststellen, dass die Wut, die Gier, die Unwissenheit ungezügelt zum Ausdruck zu bringen zwar eine gewisse Befreiung mit sich bringen kann, aber dass wir dies im Grunde auch schon als Kleinkinder gewusst haben. Ist das wirklich mein wahres Gesicht oder ist die Zurschaustellung der Emotion nicht doch nur ein Zeichen von Unreife und Hilflosigkeit? Somit liegen Verschwörungstheorien fast schon auf der Hand, denn genauer hingeschaut steckt hinter jedem Ratschlag im Grunde ein Manipulationsversuch. Oder ist es gar viel besorgniserregender und verbirgt sich hinter diesen gut gemeinten Ratschlägen nicht doch auch ein mittelalterliches Exorzismusritual? Nein doch, was würde es bringen weiter zu spekulieren? Fest steht auf jeden Fall, dass die nackte Emotion nicht unser wahres Gesicht sein kann. Sie ist der Ausgangspunkt, der Beginn. Hinter unseren Empfindungen und Gefühlen verbergen sich unsere Konditionierungen und viel weiter dahinter ist wer wir wirklich sind.

Manchmal frage ich mich wie ich verhindern kann, dass die Normen und Regeln die Überhand über den natürlichen Fluss der Dinge in meinen Leben gewinnen. Im gesellschaftlichen Leben habe ich festgestellt, dass das wirksamste Mittel gegen die zunehmende Kolonialisierung der Lebenswelt ist, konsequent für die Aufklärung zu sein. Ständig offen für die wahre Vernunft und auf dieser Basis Augenblick für Augenblick am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und aktiv den Lebensraum in dem wir leben mitzugestalten. Das heißt im Bezug auf die Emanzipation z.B. darauf aufmerksam zu machen, dass der Ersatz von alten Rollenbildern durch neue nicht nur nicht befreiend, sondern zutiefst Antiaufklärerisch und sogar Antifeministisch ist. Diese Scheinemanzipation kreiert den Eindruck einer falschen Befreiung, was damit die Kraft der Konditionierungen noch zusätzlich verstärkt. Und das heißt im Bezug auf die Religion? Vielerlei. Zuerst, dass Religion viel mehr als nur Privatsache ist, denn die Wahl der Glaubens ist ein Recht. Und dass die Wahl des Glaubens ein Recht ist, bedeutet wiederum mehrere andere Dinge zugleich. Es bedeutet, dass Mann/Frau das Recht hat zu glauben was Mann/Frau will. Weiter heißt es, dass die Wahl der Religion frei ist wie es typisch ist für eine Demokratie und nicht etwa unbedingt vererbbar ist wie eine Monarchie. Und es heißt aber auch, dass das Wort Religion sowohl Wahrheitssuche als auch der Glaube an eine höhere Macht heißen kann.

Wenn ich an den Normen anhafte und sie für die letztendliche Wahrheit halte sind diese Normen des Rhythmus Feind. Sie verhindern den freien Fluss. Sie harmonieren nicht, sie verstimmen nur. Die Frage ist dann, wie gehe ich damit um? Ignoriere ich sie oder kämpfe ich dagegen an? Ich stelle fest, die Antwort darauf ist nicht ganz so wichtig, denn die Hauptsache ist, ich bin vollständig ich. Nur auf diese Weise ist tiefe Zufriedenheit möglich und die Befreiung allgegenwärtig präsent. Jeder Augenblick wird so zu einem Ort der Begegnung. Sogar der schrägste Ton. Wenn ich vollständig ich selbst bin umrundet das Wasser das Gestein wieder mühelos und ich weiß genau, was dieser Augenblick von mir verlangt, denn jede Handlung ist im Einklang mit dem übergeordneten Zusammenhang. Die Bäume, die Pflanzen, dass Wasser, die Felsen, all das ist wieder der Fluss und ich verstehe, dass wahre Zufriedenheit nicht irgendwann später erreichbar ist, sondern ausschließlich Hier und Jetzt. Frieden in Inneren bedeutet nämlich Frieden auch in der Außenwelt.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

HINDERNISSE


Bäume und Pflanzen,
Das Wasser und die Felsen,
All das ist der Fluss.

Die Natur rundherum, das Wasser, die Steine, all das ist der Fluss. Die Steine stellen für das Wasser keine Hindernisse dar, sie sind Teil des Flusses und als solche bestimmen sie mit, welche Strecke hinab ins Tal führen soll. Der Strom fließt unentwegt. Er ist die Bewegung selbst und trotzdem geht von ihm eine tiefe Ruhe aus. Es ist seine unerschütterliche Beständigkeit. Ich richte den Blick auf das Wasser, auf das Zusammenspiel mit dem Gestein und frage mich warum wir die Felsen, die dem Wasser den Weg weisen als Hindernisse wahrnehmen. Zusammen wirken sie wie zwei Aspekte ein und derselben Form, nichts erweckt den Anschein eines unnötigen Kraftaufwands. Mir wird bewusst, dass ein echtes Hindernis nur die Eile ist. Ich glaube zu erkennen, dass es das Tempo ist, welches den Eindruck der Hast erweckt. Ich schaue ein zweites Mal hin, ich sehe wie das Wasser mühelos das Gestein umrundet, und frage mich warum füge ich das Wort „Hindernis“ hinzu. Ist dieses Wort nicht zuviel? Ist es nicht ganz und gar unpassend? Und viel wichtiger noch, füge ich damit nicht automatisch auch die Vergangenheit und die Zukunft dazu?

Wie sich unsere Zivilisation im Strom der Geschichte bewegt, die Art und Weise wie diese Bewegung vollzogen wird, wird von der Kultur dargestellt. Wir blicken zurück in die Geschichte und trotz all der Fehler und Tragödien der Vergangenheit, können wir mit Stolz behaupten wir hätten kulturell vieles erreicht. Die Vernunft, die demokratischen Grundrechte, das kulturelle Erbe, all diese Güter wären heute nicht das was sie sind, hätte sich nicht alles so zugetragen wie es geschehen ist. Somit ist die Akzeptanz der eigenen Geschichte ein wichtiger Schritt in Richtung wahren sozialen Frieden. Und doch hören wir in der Gesellschaft wieder das Wort „Leitkultur“ und mit diesem Wort die Stimmen die besagen, man habe sich an das zu richten was das kulturelle Erbe der Nation besagt. Ich frage mich welchen Wert ein kulturelles Erbe hat, wenn dieser auf dem Prinzip der Ästhetisierung der Moral aufbaut? Eine Frage, die darauf hinweist, dass schon das Wort Leitkultur etwas Elitäres und damit auch etwas Autoritäres an sich hat. Hören wir da nicht die Stimme des Totalitarismus im Hintergrund? Erinnert das etwa nicht an die auf Effekte setzende Inszenierungen von einst, welche der ideologischen Einflussnahme dienten? Ist die Leitkultur eines Landes, wenn es so etwas überhaupt gibt, also ein Hindernis oder ein Segen für die kulturelle Entwicklung in einem Land? Eine Frage die darauf hindeuten soll, dass eine Hürde erst dann ein Hindernis ist, wenn wir akzeptieren, dass es ein Hindernis ist.

Ob in guten oder in schlechten Zeiten, im Verlauf der Geschichte hat die Menschheit immer nach vorn geblickt. Trotz aller Ungewissheit, trotz aller Rückschläge haben wir immer weiter den Fortschritt und die Herausforderung gesucht. Wir haben gelernt über uns hinauszuwachsen, uns durchzusetzen, erfolgreich zu sein. Mit der Hilfe der Wissenschaft hat der Mensch es sogar geschafft seine Angst vor dem Unbekannten zu überwinden und hat in seinem Vorwärtsdrang sogar den Mond erreicht. Und doch, der Fortschritt hat auch ein anderes Gesicht. Wir sind an den Punkt angelangt an dem wir feststellen müssen, dass die natürlichen Ressourcen der Welt in der wir leben nicht nur begrenzt sind, sondern auch in Gefahr. Werden wir es als Menschheit schaffen das soziale und ökologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, oder sind wir als Menschheit wie andere Spezies vor uns ebenfalls dem Untergang geweiht? Wir haben vieles erreicht, doch die Ungewissheit in Bezug auf die Zukunft ist heute in der öffentlichen Diskussion mehr denn je präsent. Nur eine Hürde oder doch ein unüberwindbares Hindernis?
Mehrere Fragen ohne Antwort. Gleichgültig was ich tue, die Geschichte scheint sich unentwegt zu wiederholen, denn wie ein Stehaufmännchen wähle ich immer wieder den selben Weg. Mit dem Blick auf die Außenwelt gerichtet beziehe ich von dort immer wieder neue Motivation. Aus der Karriere, aus der politischen Einstellung, aus der Familie, aus der Religion. Doch was sind all diese Dinge, wenn ich nicht sehe, dass das was ich wahrnehme von meiner Innenwelt abhängt? Kein Wunder, dass in Momenten des Zweifelns ich den Eindruck habe, das Leben wäre ein Hindernislauf. Wo ich auch hinschaue Hindernisse versperren mir überall den Weg. Am Ende des Weges angelangt, wenn es weder Ausweg noch Wahl mehr gibt, wähle ich den einzig noch übriggebliebenen Weg. Ich richte den Blick nach Innen, kehre zur Atmung, zur Haltung des Körpers und damit wieder zu diesem Augenblick zurück. Ich kehre zur Einheit von Körper und Geist zurück und lasse damit auf natürliche Art jedes Hindernis los. Auf dieser Weise erkenne ich klar, dass wenn ich Hindernisse im Äußeren wahrnehme, dann nur deshalb weil sie in meinem Inneren sind. Die Hindernisse die immer wieder aufkommen, und die verursachen, dass ich immer wieder die selben Fehler und die selben Verhaltensmuster wiederhole, befinden sich also allein in mir selbst. In der Form wie ich die Welt wahrnehme. Als eine Bewegung die sich an der Oberfläche abspielt und die völlig abgetrennt von meiner inneren Welt ist. Ich stelle fest, dass diese nicht nur meine Geschichte, sondern die der ganzen Menschheit ist. Wie sonst ließe sich erklären, dass so viele von uns ewig gesucht haben und nie gefunden haben? Wie sonst ließe sich erklären, dass das Autoritäre wie Unkraut immer wieder aufkommt? Wie sonst ließe sich erklären, dass wir uns noch immer als getrennt von der Natur wahrnehmen und immer noch nicht begriffen haben, dass es keine nachhaltige Entwicklung geben kann, wenn diese uns nicht ebenfalls mit einbezieht?

Im Buddhismus stehen die Türen immer offen. Sowohl hinein als auch hinaus. Niemand wird gezwungen zu bleiben, niemand wird gezwungen zu gehen. Das will besagen, dass immer Hoffnung besteht. Solange wir leben, nach dem Einatmen folgt das Ausatmen von selbst. Es liegt also immer an uns selbst, die Dinge im Kontext zu betrachten, jenseits von jedem Hindernis. Mehr noch, das was wir nicht tun, kann niemand anders für uns übernehmen. Es liegt immer ausschließlich an uns selbst zu erkennen, dass die Schwierigkeiten in unserer Praxis wie die Steine in einem Fluss sind. Sie sind keine Hindernisse, wie das Wasser sind sie der Fluss.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

KARMA II


Im reinem Wasser,
Spiegelt sich alles genau.
Endlose Stille.

Der Frühling löst den Winter ab. Das Licht der Sonne bedingt die Dunkelheit der Nacht. Das Wasser eines Flusses das hinunterfließt findet seinen Weg um das Gestein. Ursache und Wirkung ist das unfehlbare Gesetz, dass Raum und Zeit durchdringt. Jenseits von Recht oder Unrecht ist es in seiner Präzision unnachgiebig, ja manchmal sogar grausam. Nicht nur, dass es immer und überall allgegenwärtig präsent ist, wir können uns seiner Gesetzmäßigkeit nicht entziehen ganz egal wie gut unser Versteck ist. Anerkennung, Schönheit, Familie, Macht, Herkunft, Ruhm, Geld. Am Ende sterben wir und jeder stirbt für sich allein. Niemand anderes kann es für uns tun, niemand anderes hat dafür die Schuld. Wir sind ganz und gar vorüberziehende Wolken, die der Willkür des Windes ausgesetzt sind. Wohin ziehen die Wolken, woher kommt der Wind? Manchmal glaube ich es zu wissen und behaupte zu wissen was die Stille ist. Doch eigentlich weiß ich es nicht. Wie auch, wie könnte ich es je wissen, wenn es keine Frage von Wissen oder nicht Wissen ist? Jeder Augenblick ist unermesslich, unvergleichlich und neu.

Manchmal, den Verlauf der Geschichte betrachtend, glaube ich zu erkennen dass die gesellschaftliche Entwicklung wie die Wirtschaft in Form einer Sinuskurve verläuft. Wachstumsphasen und Rezessionen lösen sich fließend gegenseitig ab und gehen periodisch in einander über. Ähnlich wie der Liberalismus und der Autoritarismus in einer Gesellschaft, wie die Armut und der Wohlstand oder wie der Frieden und der Krieg. Jedes gesellschaftliche Phänomen entwickelt sich solange wie es durch das gegensätzliche abgelöst wird. Ich frage mich, ist dieses das Karma dieser Gesellschaft? Kehrt nach der Toleranz, der Offenheit und den humanistischen Werten der Vernunft wieder Zucht, Disziplin und Autorität ein? In Anbetracht der Geschichte dieses Landes und dieser Stadt, ein alarmierender Gedanke wie ich finde also schaue ich noch mal genauer hin. Tatsächlich, die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Es geht nicht mehr um das konstruktive Gespräch oder den Austausch von Wissen. Es ist alles nur Vorwand. Es geht nicht mal darum nicht der Verlierer zu sein, es geht um Gewinnen um jeden Preis. Dazu ist jedes Mittel recht: Networking und das was anders ist an den Pranger stellen wo es geht. Lautsstark dagegen sein. Schlechte Nachrichten sind besser als gar keine Nachrichten. Gehört werden, Medienpräsenz um jeden Preis. Zum Schweigen bringen, Notfalls mit Kraft. Das alles wurde genau hier schon mal erlebt. Bahnt sich nun wieder die Wende ins Autoritäre an? Auch diese Frage wurde im Verlauf der Geschichte immer wieder gestellt und es ist verblüffend wie oft sich das Malheur wie eine selbsterfüllende Prophezeiung Realität geworden ist. Manchmal kam es aber auch anders, denn immer wieder sind Menschen aufgestanden die erkannt haben, dass die Vernunft nicht zu einem Ideal verkommen darf und dass der Verlauf von Sinuskurven aktiv beeinflussbar ist. Jede Schwierigkeit verbirgt in sich die Möglichkeit daran zu wachsen, auch das gehört zum Karma dazu.

Die Sinuskurve sowie das immerwährende Aufstehen nach dem Fall, all dies empfinde ich als sehr vertraut. Warum verläuft meine eigene Geschichte so überraschend ähnlich dem Verlauf der Geschichte dieser Stadt? Gibt es da eine geheime Analogie? Anhand meiner Historie beobachte ich, dass wenn ich mal gefallen bin, dann vor allem aus Ignoranz. Aus dem Unwissen darüber, dass jenseits der Anhaftung und der Gier sowie der Ablehnung und der Wut, absolut Nichts von der Ganzheit getrennt sein kann. Ähnliches glaube ich in der Gesellschaft beobachten zu können. Obwohl die Religionsfreiheit ein Recht ist, dass unmissverständlich in der Verfassung verankert wird, wird es immer wieder in Frage gestellt. Sei es weil das was anders ist angefeindet oder offen abgelehnt wird, oder sei es weil Bekehrung versucht wird. Doch spiegelt all diese Ablehnung gegenüber dem was anders ist nicht eigentlich mangelndes Vertrauen in den eigenen Glauben wieder? Und was ist mangelndes Vertrauen wenn nicht Angst? Angesichts der zunehmenden Radikalisierung im Namen des Glaubens frage ich mich also, ob es für die verschiedenen Religionen nicht an der Zeit wäre, von der aktiven Missionierung Abstand zu nehmen. Schließlich wird der Versuch jemanden von etwas Anderem zu überzeugen immer ein aggressiver Akt sein. Vielleicht wäre dies eine wirkliche Friedensbotschaft für die Welt. Niemand bräuchte mehr Angst zu haben, durch einen heimlichen Bekehrungsplan entmündigt zu werden. Niemand müsste mehr sterben im Namen von Glauben oder Religion. Vielleicht gäbe dies den Religionen ihre Glaubwürdigkeit zurück. Dann wären die Religionen endlich nicht mehr ein Instrument zur Ausübung von Macht, sondern wären tatsächlich für die Menschen und ihre Bedürfnisse da.

Aus der Praxis von Zen weiß ich, dass das Mentale mein Karma wiedergibt. Mein Karma ist das was ich gelernt habe das richtig und falsch ist, meine Vorstellungen, meine Hoffnungen, meine Meinung, meine Wünsche. Von diesem Karma gewinne ich Unabhängigkeit wenn ich mich auf die Haltung besinne, wenn ich bewusst einatme, wenn ich bewusst ausatme. Da ist sie wieder die Sinuskurve, diesmal in mir selbst. Was ich denke hängt direkt von meinen Körper, meiner Atmung, meiner Geisteshaltung ab. Halte ich meinen Geist offen für alle Dinge, hafte ich selbst auch an meiner eigenen Meinung nicht mehr an, gibt es keine Meinung die Recht oder Unrecht hat. Frieden kehrt ein und ein weiter und offener Raum für eine wirkliche Begegnung entsteht. Ganz natürlich wird das alte trennende Karma umgewandelt in eine verbindende und damit heilende Energie in allen Richtungen von Raum und Zeit. Der Winter wird auch weiterhin durch den Frühling ablöst und wenige Monate später leitet dieser den Sommer ein. Die Welt zieht weiter in ihrer Bahn, und das Licht der Sonne bedingt jetzt an einem neuen Ort die Dunkelheit der Nacht. Das Wasser eines Flusses findet nicht nur den Weg um das Gestein, zusammen mit den Steinen bildet es den Fluss. Den Strom von Ursache und Wirkung können wir nicht aufhalten, was wir aber sehr wohl beeinflussen können ist unsere Einstellung zu dem was Leiden schafft. Sind unsere Taten hier und jetzt wirklich friedlich, kehrt Frieden schon durch die Bemühung ganz natürlich wieder ein. Ursache und Wirkung ist ein unfehlbares Gesetz.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

KARMA


Das Brückenende,
Auf der anderen Seite,
Ist noch nicht in Sicht.

Die Stadt, die Anderen, ich, von Augenblick zu Augenblick verändert sich Alles unentwegt. War das jemals anders? Wird es je anders sein? Alles kommt von irgendwoher und verschwindet irgendwohin. Wo ist der Anfang? Wo ist das Ende? Ich weiß es nicht. Alles fließt im Schnellstrom der Zeit rasant dahin. Alles was mal gewesen ist, ist jetzt in der Form wie es mal gewesen ist inexistent. Alles was jetzt existiert, wird im nächsten Augenblick nicht mehr so sein, wie es gerade ist. Die Weimarer Republik, der Nationalsozialismus, der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, der Wiederaufbau, die Teilung der Stadt, die Gastarbeiter, die 68er, die Postmoderne, die Friedensbewegung, die Wiedervereinigung. Meilensteine in der Geschichte dieser Stadt und doch prägen heute ganz andere Themen die Aktualität. Die Gleichberechtigung, die Bildung, die Tiere, die Umwelt, die soziale Ungerechtigkeit. Morgen werden es andere Themen sein. Alles fließt dahin im Strom der Vergänglichkeit und das Alte wird unentwegt durch das Neue abgelöst.

Die Stadt die Anderen, Ich, fallen unaufhörlich und stehen unentwegt wieder auf. Immer und immer wieder. Ich frage mich was diese Stadt eigentlich ist jenseits von Gestein, Asphalt und Metall. Was sind die Anderen, was bin ich jenseits vom Fleisch und den Knochen aus denen ich gemacht bin? So lange wie ich auch suche, ich entdecke nichts bestimmtes, nichts außer der gelebten Aktivität. Selbst wenn ich das Bewusstsein betrachte wie es von der Emotion beeinflusst wird glaube ich zu erkennen, dass das was ich denke und fühle ein Reflex ist von dem was rundherum um mich geschieht. Ich entdecke also nichts außer der Tatsache, dass wir kontinuierlich altern und unser Leben vom fallen und wieder aufstehen geprägt ist. Nichts außerdem, dass diese Stadt sich ständig verändert, immer wieder verfällt und ständig wiederaufgebaut werden muss. Ich frage mich warum es so sein muss. Warum müssen wir immer wieder fallen bevor wir lernen, dass um Freiheit zu erlangen, den Frieden zu bewahren oder die bedingungslose Liebe zu erleben es unbedingt notwendig ist unabhängig von der Emotion zu sein? Vielleicht ist es unser naturell. Vielleicht ist es aber auch unser konditioniertes Verhalten, dass wir bereits im frühen Alter verinnerlicht haben als wir gelernt haben, dass um zu gehen, das Fallen dazugehört. Wie es auch sei, das Fallen und Wiederaufstehen scheint das Karma von uns Menschen zu sein. Ich bin mir nicht sicher, also suche ich weiter, versuche genauer zu beobachten und entdecke zunächst, dass es dem Fallen und Wiederaufstehen eine gewisse Gesetzmäßigkeit zugrunde liegt. Diese Gesetzmäßigkeit ist unser Karma, auch das Gesetz von Ursache und Wirkung genannt und es besagt, dass sowohl für das Fallen als auch für das Aufstehen es Gründe gibt. Dahinter verbirgt sich also keine Moral die über gut oder schlecht richtet, sondern vom anfangslosen Anfang bis zum endlosen Ende bestimmen lediglich unsere Taten, ob die Ergebnisse unserer Handlungen heilvoll oder unheilvoll sein werden. Anscheinend gibt es angesichts des Verfalls also doch keine Alternative. Offensichtlich sind wir dazu verdammt, immer wieder zu fallen und wiederaufzustehen bis irgendwann das Aufstehen nicht mehr möglich ist. Bis zum Ende der Zeit. Doch irgendwie kann ich dieser fatalistischen Einstellung nichts abgewinnen. Sie ist absolut rationell und rein materiell. Ich fühle aber, dass eine Erlösung von diesem Leiden auch jetzt, in diesem Leben, in dieser Stadt, in diesem Körper Geist, in diesem Augenblick möglich sein muss. Woher stammt dieses Gefühl? Ich glaube zu erkennen, dass es aus allen Dingen kommt. Aus dem beobachten, des Stromes von Ursache und Wirkung und aus der Einsicht, dass wir immer wieder die selben Fehler tun. Jetzt, ganz aktuell, glauben wir uns vom Strom von Ursache und Wirkung getrennt und richten über andere und damit über uns selbst. Wir geben den Schutzsuchenden die Schuld für unsere Angst und berauben uns damit selbst der Möglichkeit zu wachsen, indem wir erkennen, dass wir selbst ewig auf der Flucht sind.

Die Stadt die Anderen, Ich, das Fühlen ist also das Tor das hinaus aber auch wieder hinein führt. Eine Differenzierung ist jedoch notwendig, denn es gibt ein Fühlen aus der Abhängigkeit heraus und es gibt ein Fühlen dass bedingungslos ist. Das abhängige Fühlen ist von der Furcht geprägt, es macht uns manipulierbar, es stammt aus der Trennung und führt deshalb wieder dahin. Letztendlich ist es unheilvoll und lebensverneinend. Und es gibt das Fühlen, auch Mitgefühl genannt, dass ausnahmslos alle Dinge über das gesamte Spektrum des Lebens betrachtet als Teil seiner selbst ansieht. Ein Fühlen, dass genau und unfehlbar zu erkennen gibt, dass das Fallen mit dem fragmentiertem Denken beginnt. Wir beginnen unseren Sehnsüchten hinterher zu eilen und von unseren Ängsten gelenkt zu sein, genau in dem Augenblick als wir uns von der Gesamtheit dessen was geschieht als getrennt wahrnehmen. „Festung Europa“ oder „Flüchtlinge wellcome“? Wie die Antwort auch ausfällt, Tatsache ist, dass wir aus dieser fragmentierten Wahrnehmung heraus ständig urteilen und indem wir über das richten was wir als getrennt von uns denken, richten wir eigentlich über uns selbst. Völlig verdrängend, dass wir selbst mal geflüchtet sind, dass wir selbst mal schutzbedürftig gewesen sind, dass wir ständig auf der Flucht vor uns selbst sind und dass wir wahrscheinlich immer auf der Flucht sein werden. Etwas, dass spätestens im Alter ganz konkret sein wird, wenn wir an den Punkt wiederkehren wo die Autonomie nur ein Wunschtraum ist.

Manche sagen, dass mit dem Ende der Fragmentierung die Suche dahin sei und dass mit dem Ende der Suche das Entdecken abgeschafft sei. Doch, dass sich alles kontinuierlich verändert und nichts festgehalten werden kann, heißt wirklich dass Alles von irgendwoher kommt und wieder irgendwohin geht. Soweit ich wahrnehmen kann, finde ich keinen Ursprung, keine Quelle, keinen bestimmten Ort aus dem Alles entsprungen sein soll oder wohin alles hinführen soll. Deswegen frage ich mich, ob früher alles wirklich besser gewesen sein kann als jetzt. Frieden, Erfüllung im Geist finde ich nur in der Wertschätzung dieses Augenblicks. Wenn ich aufhöre zu unterscheiden und aus diesem diskriminierungsfreien Raum heraus jeder Augenblick eine Begegnung so vieler Umstände und unzähliger Faktoren in allen Richtungen von Raum und Zeit ist. Die Suche kann also ein Ende finden, das Entdecken jedoch nie. Die Stadt, die Anderen, ich, von Augenblick zu Augenblick verändert sich Alles unentwegt. Das Leben ist Bewegung und die Geschichte dieser Bewegung wird mit jedem Schritt neu geschrieben. Also sind Ursache und Wirkung allgegenwärtig präsent und doch ist das Karma keine höherstehende Energie, sie entscheidet nicht über Gnade oder Recht. Das sind einzig und allein wir selbst. Ich stelle diese Einsicht zur Probe und frage mich wie ich mich verhalten soll wenn ich glücklich und zufrieden sein will, mich aber denen gegenüber konfrontiert sehe, die mit der Angst Politik machen wie die Inquisition des Mittelalters oder die Herrenrasse von Einst? Jenseits jeder Angst, aus der Einheit aller Dinge ist die Antwort auf diese Frage in Allen Dingen offensichtlich und klar: das Heilvolle tun, das Unheilvolle abwenden soweit es geht. Von Augenblick zu Augenblick.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen