FEMINISMUS UND ZEN

Steine auf dem Weg,
Sind keine Hindernisse.
Unkraut aber schon.

Ja, ein schlechter Feminismus ist besser als gar keiner. Nichts zu tun gegen eine missliche Situation ist immer die schlechteste Wahl. Das wissen wir auch aus der Zen Praxis ganz genau. Ob im Zendo, in der Küche, bei der Arbeit oder bei einer Zeremonie ist das rechte Bemühen immer von wesentlicher Wichtigkeit. Wer sich schon mal mit einem Zen Garten beschäftigt hat, weiß zum Beispiel dass der schlimmste Feind eines Gartens nicht das Wetter ist, sondern der Schmutz und das Unkraut. Das Wetter verändert sich mit den klimatischen Bedingungen, mit der Jahreszeit und diese natürliche Veränderung spiegelt sich im Garten wieder. Doch mit dem Unkraut verhält es sich anders. Es unterbricht den natürlichen Fluss der Linien und kommt immer und ohne Unterlass immer wieder auf. Also bedarf es beim Unkraut unweigerlich unserer Handlung, denn ob sich das Unkraut im eigenen Garten ausbreitet hängt einzig und allein von uns selbst ab. Ähnlich so verhält es sich mit dem Patriarchat. Ohne unser aktives Entgegenwirken breitet sich dieses immer weiter aus.

Um das Umkraut im Garten wirksam bekämpfen zu können bedarf es also der Praxis der aktiven Aufmerksamkeit. Dies gilt für einen Zen Garten genauso wie für die Öffentlichkeit. Also untersuche ich die Beschaffenheit dieses sozialen Unkrauts indem ich zurück gehe bis zu seiner allgemeinsten Definition: Das Patriarchat beschreibt eine Dominanzsituation. Das Dominanzverhältnis des Mannes über die Frau, dass in der Gesellschaft so wie wir sie kennen seit Jahrhunderten verankert ist. Es beschreibt also eine Situation des Ungleichgewichts, dass die Frau direkt unterjocht. Doch wer glaubt, dass diese Situation die Frauen allein betrifft irrt sich, denn Dominanz bedeutet immer Zwang und dieser betrifft den Unterwerfer genauso wie den der unterworfen wird. Mir fällt auf, dass dies ein wirklich wichtiger Punkt ist. In der Regel sehen sich Gewinner als Gewinner und Verlierer als Verlierer, das heißt wir nehmen uns als getrennte Wesen wahr. Auf der einen Seite die Frauen auf der anderen Seite die Männer. Auf der einen Seite das Gute auf der anderen Seite das Böse. Auf der einen Seite die Innländer auf der anderen die Ausländer. Auf der einen Seite die Blumen auf der anderen Seite das Unkraut. Doch sind all diese Dinge wirklich von einander getrennt? Was ich damit sagen will ist, dass in Wirklichkeit jedes Phänomen etwas vom augenscheinlich entgegengesetztem in sich trägt. So ist ein Teilaspekt der Frau der Mann, ohne dass Gute gäbe es das Böse nicht, genauso wie der Ausländer ein Teilaspekt des Inländers ist. Ohne Ausländer gäbe es keine Innländer genauso wie es kein Unkraut gäbe wären alle Pflanzen gleich. Unweigerlich sind wir alle also miteinander verbunden und deshalb ob wir es sehen oder nicht, leidet der andere leiden wir auch. Besonders wird dies deutlich in einem Verhältnis in dem es Gewinner und Verlierer gibt. In einem Verhältnis von Unrecht hat sich der Verlierer zu unterwerfen und deshalb leidet er, das ist leicht verständlich. Was wir aber oft übersehen ist das Leiden des Gewinners. Welches Leid? Dem der Fragmentierung, das Leid der Verblendung, das Leid des Zwangs.

Gegen ein Leid und noch mehr gegen ein institutionalisiertes Leid aktiv zu werden ist unser aller Pflicht, das ist unweigerlich wahr. Doch welcher Weg ist der richtige? Haben wir zum Ersetzen eines Zwangs durch einen anderen überhaupt eine Wahl? Die Antwort auf diese Frage ist ein klares ja und damit wären wir bei dem was ein schlechter Feminismus ist. Ein schlechter Feminismus baut auf Fragmentierung, auf Trennung und damit auf Feindbilder auf. Das bedeutet in letzter Instanz einen Zwang durch einen neuen Zwang ersetzen zu wollen. Es setzt auf eine Politik, bei dem das Ziel die Mitteln rechtfertigt und übernimmt damit automatisch die Vorstellung von einem vermeintlich besseren Augenblick als den gegenwärtigen. Doch damit wird die Trennung noch mehr verstärkt, das Zwanghafte wird verdeckt, in die Zukunft verschoben, quasi unzugänglich für den Heilungsweg. In der Zen Praxis gibt es eine Alternative für diesen Weg der unweigerlich immer wieder zum Leid führt. Dieser ist der Weg der Selbstbestimmung und der Emanzipation. Und dieser Weg setzt sofort dort an wo der Zwang beginnt, bei der Fragmentierung. Fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit auf das hier und jetzt sehen wir sofort was wir gemeinsam haben: wir sehen wie wir gegenseitig verbunden sind. In jeder Bewegung, mit jedem Gedanken, mit jeder Emotion. Achten wir diese Verbindung und pflegen sie aktiv, entfaltet sich auf natürliche Art und Weise die Empathie in uns. Sicherlich gibt es dann auch weiterhin das Vergehen und Entstehen aber das ist die Essenz aller Dinge also kein Grund zum Leid. Wie wirkt sich aber die Empathie auf das soziale Verhalten aus? Die Antwort liegt auf der Hand: durch Solidarität und Widerstand. Solidarität mit allen die unter dem Zwang leiden und Widerstand gegen den Zwang. Doch die Alternative endet nicht an dieser Stelle, denn sowohl die Solidarität als auch der Widerstand würden unweigerlich wieder zum Zwanghaften enden, fügten wir nicht eine Praxis von aktiver Aufmerksamkeit hinzu. Es ist das immer wieder zurückkehren zu dem was uns verbindet, was die wahre Gegenkraft zur wider kehrenden Lüge, zur Hetze und zur Instrumentalisierung entstehen lässt.

Die Emanzipation ist also keinesfalls Frauensache allein. Sich emanzipieren bedeutet nämlich uns unserer rollenspezifischen Illusionen bewusst zu werden uns selbstbestimmt zu definieren was es heißt Frau oder Mann zu sein. Was es heißt Frau zu sein jenseits der gesellschaftlichen Erwartungen, jenseits der Rollen als Tochter, Mutter, Schwester, Haus- oder Karrierefrau. Und weiter, was es heißt Mann jenseits des Zwanges grob, stark, erfolgreich oder jung zu sein. Jenseits der Wahnvorstellung einer Invasion von außerhalb, vom Verlust der Identität oder der Beschützer zu sein. Hinter all diesen Konditionierungen, was heißt es ein Mann oder eine Frau zu sein? Die Antwort auf diese Frage finde ich als Mann direkt im Hier und Jetzt. Wenn ich mit der Aufmerksamkeit von den Zwängen zur Wirklichkeit dieses Augenblicks zurückkehre ist die Männlichkeit die Selbstbestimmung selbst. Ich bin davon überzeugt, dass es vielen Frauen genauso ergeht.

Entsprechend des Gesetzes von Ursache und Wirkung bestimmten wir heute wie die Gesellschaft von morgen sein wird, darum forsche ich in diesem Punkt der Selbstbestimmung jenseits des Zwangs weiter in der Hoffnung eine Alternative zur Konditionierung durch den Zwang zu finden. Gibt es einen anderen Weg als den Wettbewerb, gibt es einen anderen Pfad in der Bildung als den Auschlußes, der Panik oder der angsterfüllten Antwort? Ja den gibt es. Definitiv gibt es ihn solange wir ein Mittel finden nach Innen zu schauen in uns selbst. Solange wie wir eine Möglichkeit finden mit der kompromisslosen Wahrheit in Kontakt zu sein. Denn nur dort können wir die Trennung überwinden und damit auch Illusionen wie jene der Dominanz, der Unterwerfung, der Dominanz als das aufdecken was sie sind. Als das Unkraut im Garten des Selbst. Als die wahren Ursachen für das Patriarchat. Das was wir als die Äußere Welt wahrnehmen ist nämlich immer ein getreues Abbild unserer inneren Welt.

Ja, ein schlechter Feminismus ist besser als gar keiner. Nichts gegen das Unkraut zu unternehmen bedeutet es zu billigen und diese Billigung ist in einem Garten immer die schlechteste Wahl, denn das Unkraut und der Schmutz verhindern den Fluss. Dem gegenüber steht der Weg der Selbstbestimmung und der Emanzipation. In einem Zen Garten wird dieser Pfad durch die Wasserlinien dargestellt. Die Wasserlinien führen um die großen Steine herum. Diese Steine, könnten wie Hindernisse für das Wasser verstanden werden, sind sie aber nicht. Die Kunst eines Zen Gartens besteht nämlich gerade darin, aus den großen Steinen ein Teil des Wassers zu machen das unaufhörlich weiter fließt.

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ZEN UND DIE MAUER


Vor dem Hochwasser,
Grenzen Dämme das Flussbett.
Ewig Achtsamkeit.

Du willst also tatsächlich wissen was eine Mauer für mich bedeutet? In Berlin wissen wir nämlich genau warum wir keine Mauern mögen. Wir wissen warum das errichten einer Mauer zwischen zwei Ländern nur falsch sein kann. Wir wissen es, weil wir es selbst erlebt haben. Wir wissen es, weil wir selbst erfahren haben, was es heißt getrennt von der Familie, den Verwanden, den Freunden durch eine Mauer leben zu müssen. Und trotzdem mauern wir unentwegt weiterhin, auch hier in Berlin. Trotzdem errichten wir auch weiterhin Zäune um uns herum. Nicht immer aus Beton, das ist wahr, doch Mauern müssen nicht immer aus Zement sein. Als aller erstes ist da die Mauer im eigenen Kopf.

Die Mauer im Geist ist im Grunde eine Ideologie. Sie ist das vermeintlich Gute oder anders gesagt unsere Interpretation davon. Sie ist der Kapitalismus, der Kommunismus, der Feminismus, der Egoismus, der Dualismus, der Buddhismus, der Anarchismus. Die Mauer im Geist ist ein „Ismus“. Ein Gedankenkonstrukt im dem die Feindbilder die Steine sind und die Angst das Beton. Doch damit diese Art von Mauer richtig wirksam ist bedarf es noch einem wichtigen Element: dem der Lüge. Nur das bewusste anwenden von Täuschung und Trug macht eine Mauer erst wirksam und hält sie auch langfristig aufrecht. So sind Mauern für mich geradezu lügenschürende Monster die hetzen, mobben, anprangern, trennen, vertreiben und nicht zuletzt auch morden wenn es auch seien muss. Ja, das stimmt, genauso wie das Bollwerk aus Lügen, dass wir bereit sind aufzurichten, wenn es darum geht jene von denen wir glauben, dass sie nicht zu uns passen, auszugrenzen. Genauso wie das Gehör dass wir bereit sind jenen zu gewähren, die aus den Hintergrund Ängste und Lügen schüren mit ihren Predigten aus Hass. Nein, die Mauer in dieser Stadt ist nicht ganz weg. Die Mauer ist latent noch immer da. Davon zeugt die Mauer aus Lügen. Die Mauer aus Angst.

Religiöse Praxis heißt immer auf der Suche nach der Wahrheit zu sein. Es bedeutet sie zu suchen, sie zu finden und sich mit ihr vertraut zu machen. Es ist ein immerwährendes auf dem Weg sein. Das gilt für jede Religion, für jede spirituelle Ausrichtung, für jedes Glaubenssystem. Inklusive dem Atheismus, denn bewusst nicht zu glauben ist ebenfalls eine Überzeugung die man einnimmt, weil man glaubt, dass dies die Wahrheit ist. Dennoch lügen wir stets. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Manchmal aus Not, manchmal aus Ignoranz. Dies ist menschlich, das wissen wir alle, darum haben wir Konventionen entwickelt, die uns helfen mit unseren allzumenschlichen Unzulänglichkeiten umzugehen. Die Moral, die Gebote, die Ethik sind einige davon. Dennoch unterscheiden wir. Zwischen denen von hier und denen von dort. Zwischen denen die zu uns gehören und jenen die nicht. Auch dies ist menschlich, auch das wissen wir alle, doch da ist noch etwas, dass überhaupt nicht ok ist und keinesfalls verharmlost werden sollte als ein bloßer Scherz oder als ein Streich: das ist das bewusste einsetzen von Lügen als Strategie. Ein Verhalten, dass paradoxerweise so häufig in jedem Glaubenssystem anzutreffen ist. „Du Hund!“, „Du Ungläubiger!“ „Du hast mich betrogen, dafür zahlst du jetzt!“. Auch dem Buddhismus sind diese Einstellungen nicht fremd. Auch dem Zen ist es nicht unbekannt, dass das Lügen oder die absichtliche Zuweisung von Schuld in der Auseinandersetzung mit dem Fremden ein wirksames Mittel sein kann, wenn Frau oder Mann den Erfolg sucht. Und doch obliegt der absichtlichen Lüge mit manipulativer Absicht aus buddhistischer Sicht ein großer Widerspruch, ein großer Fehler, ein klarer Irrtum. Der Fehler der Trennung. Die Trennung zwischen mir und den anderen, zwischen Innerhalb und Außerhalb zwischen der absoluten und der relativen Wahrheit. Ein Irrtum der vor allem auf der Illusion basiert nicht zu verstehen, oder nicht darauf vertrauen zu können, dass in diesem Augenblick alles miteinander verbunden ist. Sogar das Leben und der Tod. Um es klarer auszudrücken, aus der Sicht der Praxis des Zen, ist das Lügen weder gut noch schlecht, nur wenn du lügst, in diesem einen Augenblick, dann bist du ein Lügner nichts sonst. Dann bist du weder ein guter Buddhist, noch ein entschlossener Mensch noch eine emanzipierte Frau. Das ist eine der Hauptbotschaften des Gedichtes von der Einheit von Form und Essenz, dem Sandokai. Unsere Praxis darf nicht zu einer Art Maske verkommen, die wir auflegen um andere zu schwächen damit wir sie dominieren können, weil der andere sich schuldig oder minderwertig fühlt. Und wenn Du trotzdem denken solltest, dass es im Zen so etwas wie eine Schuld gibt, die Du oder ich abzutragen hätten, dann möchte ich Dir hiermit ganz klar sagen: Du verlierst dich gerade in der Illusion. Und nimm bitte diesen Hinweis ernst. Wenn Du sagst ich hätte dich mal enttäuscht, dann kannst Du davon ausgehen, dass zuallererst ich mich selbst enttäuscht habe. Darüber hinaus bedenke, dass dieser vermeintliche Fehler von Gestern den Du immer noch mit Dir herumträgst uns beide dazu geführt hat dass wir gewachsen sind. Sonst wären wir jetzt nicht hier und Du hörtest mir nicht zu. Wenn Du von also von Schuld sprichst, sei dir bitte dessen bewusst, dass die Schuld in erster Linie wie eine Mauer ist. Sie trennt, sie ist destruktiv, sie hindert uns daran das zu sehen was uns vereint.

Es gibt also viele gute Gründe dafür Mauern nicht zu errichten, doch die wichtigste habe ich noch nicht genannt. Jenseits von jedem kulturellen Wahn, wenn wir den Blick unserer Aufmerksamkeit nach Innen richten sehen wir deutlich wie das Mauern unsere Angst und unser Leiden nur verstärkt. Dies erklärt auch warum, wenn Du mir ein Menschenrecht verwehrst, weil du glaubst du würdest deinen Überzeugungen dienen, dich näher dem Totalitären begibst als der Liebe die grenzenlos ist. Es ist wie ein Selbstschutzmechanismus den wir alle in uns haben, die Probleme auf außenstehende Dinge zu übertragen, wenn sie im Grunde in uns selbst sind. All dies ist ebenfalls menschlich und dafür bieten viele verschiedene Wege Heil. Wenn Du Dir aber dessen bewusst bist und trotzdem weiter Mauern errichtest, dann sei Dir dessen bewusst dass Du Dich selbst der Befreiung verwehrst. Damit wären wir bei den Hetzern aus dem Hintergrund. Nicht nur meinetwegen solltest du darüber nachdenken welche Richtung du tatsächlich einnimmst, denn im Leiden sind wir (du und ich ) nicht getrennt. Möchtest Du einen Tipp haben? Du solltest wirklich überprüfen auf wen Du hörst und beachte dabei, dass die Angst der schlechteste aller Ratgeber ist, denn die Furcht ist an sich ein Gift. Die Angst errichtet Mauern in uns und rechtfertigt diese mit einem Glaubenssystem. Diese Kombination von Furcht und Glauben blendet uns total. Damit erhalten wir die Rechtfertigung dafür uns von anderen abzuschotten oder gar legitimiert uns Andersdenkende anzugreifen wenn es sein muss. Dabei könnte niemand anders als wir selbst die Mauern abreißen, die zwischen der Innen- und der Außenwelt trennt, denn die wirkliche Befreiung, das wirkliche Heil, findet nur dann statt wenn auch diese letzte Mauer gefallen ist. Doch wie unendlich weit sind wir davon entfernt die Trennung zu überwinden, wenn die Spaltung erst Mal unsere Überzeugung geworden ist? Dies gilt sowohl in Berlin als an jeden anderen Ort auf dieser Welt.

Willst Du wirklich wissen was Mauern für mich bedeuten? Mauern sind für mich der manifestierte Ausdruck des Leides in uns. Aber nicht nur das, denn alles was wir jetzt tun wirkt sich auch auf unsere Zukunft aus. Richten wir erstmal eine Mauer ein, beeinflussen wir den Strom von Ursache und Wirkung in eine bestimmte Richtung und zwar konkret in Richtung von noch mehr Leid. Setzen wir auf Offenheit und Hoffnung ist das was uns erwartet Zuversicht. Darum hätte ich einen konkreten Vorschlag an Dich: wie wäre es wenn wir gemeinsam statt einer Mauer aus Angst, ein Tor errichten würden? Ein Tor aktiver Aufmerksamkeit? Ein Tor nicht zwischen den Ländern, nicht zwischen Dir und mir, eines zwischen der Innen- und der Außenwelt. Alles andere käme dann von allein.

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SANDOKAI


Der Reiher legt dar,
Jenseits von schön und hässlich,
Sein wahres Gesicht.

Sekito Kisen (Shih-t´ou Hsi-ch´ien), 700 – 790, der Nachfolger von Seigen Gyoshi (Ch´ing-yüan Hsing-ssu) wurde auch der Stein Mönch genannt, weil er statt auf einen Zafu auf einen Stein zu meditieren pflegte. Eines Tages, als er ein Text von Sengzhao, dass die Lehre von Shunyata – der Leerheit erklärte las, sagte er: „Nur ein Weiser versteht die Myriaden von Dingen als sich selbst.“ Daraufhin schlug er auf den Tisch und sagte: „Für den Weisen gibt es kein Selbst, und doch gibt es nichts, was nicht sein wahres Selbst wäre. Der Dharma-Körper ist formlos, wer kann da von selbst und anderen sprechen? Der runde Spiegel reflektiert klar, und die wunderbaren Formen der Myriaden von Dingen erscheinen darin spontan. Das Wissen und seine Objekte sind nicht eins; wer sagt, dass sie kommen und gehen? Wie wahr die Worte dieser Schrift sind!“ Dann rollte er die Schirift zusammen und schlief sofort ein. Er träumte, dass er mit dem sechsten Patriarchen auf dem Rücken einer Schildkröte saß, die in einem tiefen See schwamm. Später verfasste er das Sandokai – Die Einheit vom Relativem und Absolutem – eines der wichtigsten Sutren des Soto Zen. San steht für vielfach, Unterschied, Form. Do für Einheit, Gleichheit. Ku für Leerheit. Kai für Begegnung. Das Sandokai handelt also von der Verwirklichung der fundamentalen Einheit innerhalb der Widersprüche und der Dualität. Insofern auch Heute ein Text von fortdauernder Aktualität.

Sandokai – Die Harmonie zwischen Unterschied und Gleichheit

Der Geist des Großen Weisen aus Indien,
Wurde innigst, direkt und verborgen weitergegeben
von West nach Ost.
Die Menschen sind verschieden in Gefühl und Intelligenz,
Doch auf den Weg
Gibt es keinen Süden
Und keinen Norden.
Die geistige Quelle
Ist rein und glänzend,
Allein die Nebenflüsse fließen in der Dunkelheit.
Zu sehr an den Erscheinungsformen
Zu haften,
Führt zur Täuschung.
Der Essenz zu begegnen
Und Ihr zu folgen
Ist nicht die wahre Erleuchtung.
Bestimmt durch das Gesetz
Der wechselseitigen Abhängigkeit
Durchdringen einander alle Pforten
Und all ihre Gegenstände –
Zusammen und nicht zusammen.
Beide können in harmonischer Weise
Zueinander kommen.
Findet diese harmonische Begegnung
Nicht statt,
Bleiben die beiden an ihrem Platz.
Die Essenz aller sichtbaren Dinge
Besitzt einem jeden entsprechend
Unterschiedliche Eigenschaften
Und Bilder.
Die Wurzel der Stimme verändert sich
Mit Freude
Und Leid.
Diese dunkle Tiefe ist die Welt
Der Verbindung der Elemente,
In allen Richtungen –
Oben, unten, in der Mitte.
Doch angesichts des Lichtes
Sind die Gegenstände hell,
Und an ihrem Platz im Dasein
Können wir erkennen,
Was rein und was verschmutzt ist.
Das Wesen der vier großen Arten
Kommt von selbst
In den Ursprung zurück
So wie das Kind
Seine Mutter wieder findet.
Das Feuer wärmt,
Der Wind weht,
Das Wasser ist nass,
Die Erde ist hart.
Für die Augen gibt es die Farben,
Die Ohren nehmen die Töne wahr,
Die Nase hebt die Gerüche hervor,
Die Zunge kann Salziges und Süßes
Unterscheiden.
Doch alle Daseinsformen,
Wie die Blätter der Bäume,
Werden von der Wurzel ernährt.
Der Ursprung und das Ende
Entspringen der gleichen Quelle: KU
Der Ursprung und das Ende
Kehren zurück ins Nichts
Das Edle wie das Alltägliche
Können benutz werden
Wie es euch beliebt
Das Licht ist in der Dunkelheit.
Schaut nicht mit finsterem Blick.
Die Dunkelheit ist im Licht,
Schaut nicht mit leuchtendem Blick
Licht und Dunkel
Stehen einander gegenüber,
Doch das eine
Hängt ab vom andern
Wie der Schritt des rechten Beines
Von dem des linken.
Jede Daseinsform hat ihren Nutzen.
Gebraucht sie,
Wie immer ihre Stellung sein mag.
Erscheinung und Essenz
Fügen sich genau
Ineinander.
Pfeil und Lanze stoßen zusammen.
Wenn ihr diese Worte hört,
Müsst ihr die Quelle verstehen.
Verharrt nicht
In irrigen
Und egoistischen
Vorstellungen.
Wenn ihr den Weg
Nicht verstehen könnt,
Selbst wenn ihr auf ihm geht,
Werdet ihr ihn nicht Erlangen können.
Lenken wir unseren Schritt
Nach vorn,
Hier und jetzt,
Gibt es weder Nach noch Fern.
Der geringste Zweifel
Wirft einen Abgrund auf,
So tief
Wie zwischen Berg und Fluss.
Ihr,
Die ihr den Weg sucht,
Vergesst nicht
Den gegenwärtigen
Augenblick.

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START DER ZEN GRUPPE SHIN POH JI

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DENKEN UND ZEN


Ein großer Reiher,
Rastet über den Garten.
Gleich fliegt er davon!

Meditieren ist nicht das was Du denkst. Hast Du diesen Satz nicht auch schon mal gehört? Ich ebenfalls. Sehr oft sogar. Und manchmal habe ich sogar geglaubt verstanden zu haben was damit gemeint ist. Doch wie oft musste ich feststellen, dass ausgerechnet dann wenn ich mich am nahesten dieser Wahrheit glaubte, ich am weitesten davon entfernt war. Einfach weil meditieren nicht das ist, was wir denken dass es ist. Es ist nicht nur die Einheit von Körper und Geist, es ist nicht nur die Emotion in Einheit mit der Vernunft oder das Tor durch das die Außenwelt in die Innenwelt fließt. Es ist viel mehr als das. Es ist die ewige Weite dieses Augeblicks. Es ist dieser eine Moment von Hier und Jetzt. Wie könnte die Meditation also je das sein, was wir denken das sie ist? Wie könnte es ein Begriff sein? Dieser Augenblick, sobald wir ihn zu ergreifen oder beschreiben versuchen, dann ist er schon wieder fort. Und doch versuchen wir immer wieder zu verstehen und zu erfassen was dieser Moment ist. Vielleicht vage ahnend, dass dieser Augenblick die Tür zu uns selbst darstellt. Vielleicht zaghaft vermutend, dass wir uns irren wenn wir behaupten wir seien so oder so. Wir gehen fehl, weil wir immer wieder auf das Neue vergessen, dass wir uns unentwegt verändern, genauso wie dieser Augenblick und alle Dinge dieser Welt.

Weil die Meditation nicht das ist was wir denken dass sie ist, ist das Bewahren eines Geistes, der ungetrübt bleibt angesichts der Emotion, der höchste vernünftige und aufklärerische Akt. Findest Du nicht auch? Die wirkliche Vernunft geht nämlich weit über die Illusion der Kontrolle hinaus. Es bedeutet nicht, zuzulassen dass das was wir fühlen uns nicht wichtig ist. Es heißt nicht passiv zu sein angesichts dessen was um uns herum geschieht. Es bedeutet auch nicht, sich hineinzuflüchten in eine bessere perfektere Welt oder gar die Fähigkeit aufzugeben intensiv zu fühlen mit unserem ganzen Sein. Ganz und gar im Gegenteil sogar. Den Geist im Gleichgewicht zu halten, bedeutet zu erlauben in diesem einen Augenblick alle Dinge dieser Welt gleichzeitig zu sein. Es bedeutet diesen Moment in dem sich das Leben abspielt wertzuschätzen wie er ist. In dem wir zulassen, dass das Fühlen, das Denken, das Sprechen und unsere Taten gleichzeitig kommen und gehen ohne jegliches Hindernis. So gesehen bedeutet das Bewahren eines Geistes, der ungetrübt bleibt von der Emotion, Wahrhaftigkeit und Integrität. Eine Haltung aus der wir andererseits sofort verstehen, warum die Wut ein Gift ist. Je mehr Gift wir in unsere Innenwelt eindringen lassen, umso mehr Hindernisse, Unglück und Leid ziehen wir damit in unsere gesamte Lebenswelt an. Etwas dass so oft völlig unbemerkt und still vor sich hin geschieht. Oft bis es beinahe zu spät ist.

Die Meditation, ja sogar die gesamte Zen Praxis ist nicht das, was wir denken, dass sie ist. Wie oft habe ich mich aus dieser Praxis heraus gefragt warum ich besonders für schlechte Nachrichten empfänglich bin. Warum generiert eine schlechte Nachricht viel mehr Sensation in mir als eine gute? Kannst du es mir sagen? Warum bekommen ausgerechnet die schlechten Botschaften unsere gesamte Aufmerksamkeit? Ist es weil wir derart konditioniert sind, dass uns unser eigenes mechanisches Befolgen der Mediengesetze nicht mehr auffällt? Welche Gesetze? Zum Beispiel das Gesetz, dass eine schlechte Nachricht sich viel besser verkaufen lässt als eine gute Botschaft es je tun wird. Oder das Gesetz, dass eine schlechte Nachricht immer noch besser ist als gar keine Nachricht. Gesetzmäßigkeiten, die nahelegen, dass diese Eigenschaft für schlechte Botschaften rezeptiver zu sein, uns Menschen sogar angeboren sein kann. Manche Wissenschaftler behaupten das. Sie sagen, dass unser Denken von Grund auf, auf Angst eingestellt ist. Unser Gehirn sei so konzipiert, dass es uns rechtzeitig vor Gefahren warnen soll und weil eine Gefahr immer mit Furcht verbunden ist, sind wir von Natur aus empfänglicher auf eine schlechte Botschaft eingestellt. Dies wäre eine Erklärung warum wir anfälliger für das Schüren von sozialen Ängsten und Neid sind. Wie auch immer, Tatsache bleibt für mich, dass wenn ich nicht aufpasse und zulasse dass das Negative ungehindert in meine Welt eindringt und sich anfängt auszubreiten, bis das Gift der Wut und der Gier den allgegenwärtigen Frieden völlig verdeckt.

Die Meditation, das Verweilen in der Ruhe, ist nicht das was wir denken das es ist. Wie könnte es das denn sein? Unser wirkliches Angesicht ist weit entfernt von jeder Abhängigkeit. Weit weg von jedem Begriff über den wir uns für gewöhnlich selbst definieren. Jenseits unseres Namens, weit entfernt von unserem sozialen Status und unserem Beruf. Weit jenseits unseres Geschlechts, unserer Nationalität ja selbst weit entfernt von unserem Glauben. In der Ruhe zu verweilen bedeutet nämlich in der Reinheit unseres wirklichen Ursprungs zu sein. Dort wo sowohl Du als auch ich schon immer Zuhause gewesen sind. Dort wo es keinen Anfang und kein Ende gibt. Wie könnte dieser Ort nicht weit jenseits des Denkens sein? Gelegentlich werde ich gefragt, ob die Praxis der Meditation von jedem praktiziert werden kann und ich kann meine Verwunderung über diese Frage nur selten verbergen. Natürlich ist es so. Während der Zen Praxis geben wir nichts auf. Weder unser Vertrauen, noch unsere Liebe, noch unseren sozialen Status, noch unsere Herkunft, noch unsere Religion. Wir verzichten also auf nichts, lediglich lassen wir uns auf eine Art des Denkens nicht ein, die uns daran hindert dahin zu gelangen wo unser Ursprung ist. Dorthin wo die wirkliche Vernunft ihren Ursprung hat. Dort wo wir den wahren Glauben oder Nichtglauben treffen. Dort wo die Liebe keine Bedingungen stellt. Im Ozean der ungeteilten Wirklichkeit. Dort wo alles miteinander verbunden ist. Dort wo alles der ständigen Veränderung ausgesetzt ist und wo deshalb nichts erfasst werden kann. Wie könnte die Meditationspraxis also das sein was wir denken dass sie ist?

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NICHT-UNTERSCHEIDUNG


Richtet eure Knochen auf dem ebenen Boden auf.
Schaufelt euch eine Höhle im Raum.

Überschreitet die Schranken des Dualismus

Und erfasst die Welt der Nicht-Unterscheidung

Meister Nyojo, der Lehrer von Meister Dogen der Begründer der Soto Zen Schule, leitete mit diesem Gedicht das Sommer Training ein. Ein Satz der für jeden Zen Praktizierenden wie ein Sprung in das wirkliche Leben ist. Es beschreibt den weiten Himmel, der ungestört bleibt dem kommen und gehen der Wolken zum Trotz. Der Raum in dem die Schranke des Dualismus überschritten werden kann. Jene Weite in der wir die Unterscheidungen von ihrem Ausdruck bis zur Quelle zurück verfolgen können. Wir beobachten die Tat, hören die Sprache und sehen die Bilder aus der sie stammt. Wir erkennen das Denken, dass die Sprache und die Bilder in uns erzeugt. Wir fühlen die Emotion aus der das Denken entsteht.

Innen – Außen; Negativ – Positiv; Wir – Die Anderen; Gut – Böse; Freund – Feind

Sind nur einige der Denkmuster innerhalb welcher sich unsere Gefühlswelt für gewöhnlich bewegt. So ist die jährliche Periode des in der Stille Verweilen seit den Anfängen des Buddhismus für jeden aktiv praktizierenden von unschätzbaren Wert. Aus der Stille heraus, in dem wir uns mit der Aktivität eines Tempels im Einklang bringen, können die Bilder und die Sprache zur Ruhe kommen. Das hat einen Einfluss auf das Denken und damit natürlich auch auf die Gefühlswelt . Wir harmonisieren uns mit allen Dingen und erkennen dabei, dass dies eigentlich der natürliche Zustand der Dinge ist. Einfach deshalb, weil Alle Dinge das Selbst sind.

Richtet eure Knochen auf dem ebenen Boden auf.
Aus der Einheit von Körper und Geist lässt sich mit Klarheit erkennen, dass die Innenwelt von der Außenwelt abhängt und die Außenwelt von der inneren Welt. Diese Haltung des Körper – Geistes übertragen wir auf jede Aktivität. Auf die Meditation, auf die Arbeit, auf das Kochen, auf das Essen, auf die Freizeit. Wie könnte diese Erfahrung nicht von unermesslicher Wichtigkeit sein? Wir erfahren, dass die Einheit von Körper und Geist auf alle Aktivitäten des Alltags übertragbar ist und dass auch jegliche Aktivität eine Gelegenheit der Übung darstellt.

Schaufelt euch eine Höhle im Raum.
Doch jede Aktivität kann zur einer Gelegenheit der Übung werden nur wenn wir aktiv etwas dafür tun. Wir gehen bewusst mit unseren Körper um. Wir richten auf ihn und auf unsere Atmung unsere gesamte Aufmerksamkeit. Die Höhle ist die Übung mitten in der Gedankenwelt. Das ist der Raum in dem die Gegensätze aufhören der Horizont unserer Geisteswelt zu sein.

Überschreitet die Schranken des Dualismus.
Denn die Schranken, des Dualismus zu überschreiten bedeutet nicht nur mit Klarheit zu erkennen, dass da wo es negative Kräfte gibt auch positive gibt. Ebenso bedeutet es nicht nur, dass die negativen Kräfte welche wir außerhalb von uns glauben in uns selbst sind. Es bedeutet vielmehr zu verstehen und zu erfahren, dass genau diese negativen Kräfte, welche in der äußeren Welt existieren, weil sie auch in uns präsent sind, nur deshalb in unserem Leben geistern, weil wir selbst voller Unterscheidungen sind. Allein schon das Verständnis dieser Wahrheit verdeutlicht wie nah der wahre Frieden ist. Wie könnte diese Haltung des in der Ruhe Verweilens nicht auf alles was wir tun, auf unsere gesamten Lebenswelt einen unbegrenzten Einfluss haben? In der Ruhe, in der Stille, erkennen wir jede Emotion genau. Die Wut. Was kann einen Menschen dazu bringen jemand anderen verstoßen zu wollen, ihn vertreiben zu wollen oder gar töten zu wollen, weil er eine andere Meinung, einen anderen Glauben hat, wenn nicht die Wut? Was könnte mich dazu bringen, jemanden nicht mehr in meiner Nähe wohnen lassen zu wollen, jemanden zu hassen, jemanden vertreiben zu wollen von dem ich eigentlich nichts weiß? Von dem das was ich weiß, ich es aus den Medien oder durch Dritte erfahren habe? Was, wenn nicht die Wut?

Also beobachte ich die Wut mit größter Aufmerksamkeit. Wie Sie in der Außenwelt weilt, wie sie in der Welt außerhalb von mir agitiert, wie ich sie aufnehme und aus der Emotion ein Gefühl, ein Gedanke, ein Wort, eine Tat wird. Doch welchen Wert hätte die Aufmerksamkeit würden wir es bei der bloßen Beobachtung belassen? Manche sagen die Antwort käme von selbst. Ich ziehe es vor zu sagen keinen, denn der einzige Augenblick in den wir wirklich leben ist immer wieder jetzt. Also ist es notwendig einen Schritt weiter zu gehen, aus einer passiven Haltung hinein in die Aktivität. Wenn wir uns dem Aufkommen der Wut bewusst werden, hat sich die Unklarheit erst halb aufgelöst. Dann wird es auch notwendig die Wut aktiv zu unterbrechen. Die Wut ist im Buddhismus nicht umsonst ein Gift. Lassen wir sie zu, trübt dieses Gift sofort unsere Gefühlswelt. Es konditioniert unsere Gedanken, es prägt unsere Sprache, es beeinflusst unser Handeln. Lassen wir also nicht zu, dass diese Wut unsere Lebenswelt einnimmt. Dies ist der aktive Aspekt der Aufmerksamkeit. Ein Aspekt dass natürlich sowohl für die Innenwelt als auch für das soziale Leben gilt. Wo auch immer wir der Wut begegnen, von wem auch immer sie kommen mag, lassen wir die Hetze, die Wut und die Agitation nicht in unser Leben hinein. Seien wir uns ständig dessen bewusst, dass die Wut ein Gift ist.

Und erfasst die Welt der Nicht-Unterscheidung.
Doch was wäre die aktive Aufmerksamkeit ohne der Möglichkeit die Welt der Nicht-Unterscheidung zu erfassen? Lediglich eine Entspannungstechnik für den gestressten Geist. Lediglich eine Möglichkeit eine Verbindung herzustellen zwischen unseren Körper und unseren Geist. Aber die Welt der Nicht-Unterscheidung ist viel mehr als das. Es ist ein Ort der Begegnung aller Begriffe und Konzepte , es ist die Randzone für alle Gegensätze dieser Welt. Es wird z.B. behauptet, dass die Vernunft die natürliche Gabe des Menschen sei Handlungsfolgen und Handlungsmuster zu erkennen, sie einzuschätzen und je nachdem zu ändern wenn es förderlich für das Zusammenleben ist. Dieser Definition der Vernunft steht das in der Ruhe Verweilen, der Geist eines Sommerlagers, sehr nah. Denn in der Ruhe verweilen, heißt in Wirklichkeit, in der Wirklichkeit zu verweilen. Einen Geist zu bewahren dass ungetrübt ist von der Emotion. Ein an für sich höchst vernünftiger und aufklärerischer Akt. Denn was heißt es, sich des Einflusses der Gefühle auf unser Denken, unsere Sprache und unsere Taten bewusst zu werden, wenn nicht sich von der Instrumentalisierung frei zu sein? Mit anderen Worten, wenn wir uns daran üben von Emotionen wie die Wut nicht einnehmen zu lassen, üben wir uns daran die individuelle Freiheit zu wahren, welche im Einklang steht mir der sozialen Pflicht. Dualismen wie Innen und Aussen, Negativ – Positiv, Wir die Anderen, Gut – Böse, Freund – Feind, werden ganz natürlich als das erkannt was sie sind. Lediglich punktuelle Projektionen eines Geistes der getrübt ist von der Emotion. Ist der Mensch frei von diesen Projektionen kann sich der Menschen dem Leben zuwenden. Ganz von selbst wendet sich dann auch das Leben dem Menschen zu.

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INNEN UND AUßEN


Vorne und Hinten,
Im Abendlicht vermischt.
Durchsichtiges Glas.

Liebe LeserInnen, die ethischen Prinzipien des Buddhismus können im Grunde auf zwei Maxime reduziert werden. Das Unheilvolle unterlassen. Das Heilvolle tun. Weiter gehen wir davon aus, dass absolut alles was wir tun, denken, sagen, schreiben, tun oder unterlassen zu tun sich unwiderruflich auf unsere Zukunft auswirken wird. Weil dies so ist, glauben ich dass es meine Pflicht ist doch noch auf die Gründe einzugehen, die mich dazu veranlassen mit diesem Blog eine Pause einzulegen. Zum einen sind da äußere Faktoren und zum anderen sehe ich auch innere Gründe für diese Entscheidung.

Im Äußerem ist, wie bereits erwähnt, deutlich spürbar wie gewisse Gruppierungen die Religionsfreiheit wieder in Frage stellen indem sie ein Klima der Anfeindung gegenüber Andersdenkende- und glaubende auf den Strassen der Stadt schaffen. Auch kann wahrgenommen werden, dass die Pressefreiheit immer mehr in Gefahr gerät. Die Politik hat zwar bereits erste Schritte eingeleitet um diesem Zustand entgegenzuwirken, davon zeugt die Ernennung eines EU Sonderbotschafters für Religionsfreiheit, jedoch sind diese Maßnahmen noch sehr weit von unserer konkret gelebten Wirklichkeit entfernt. Die Probleme welche verhindern, dass das Grundrecht auf Religionsfreiheit uneingeschränkt für alle geltend gemacht werden kann, sitzen nämlich viel tiefer. Sie haben vor allem damit zu tun, dass das was im Grundgesetz als Religionsfreiheit definiert wird, in der Gesellschaft de facto durch das Recht des Stärkeren ersetzt wird . Wer die besseren Kontakte hat, wer am besten vernetzt ist, wer am besten in der Politik und im Staat vertreten ist, bestimmt was die Religionsfreiheit ist. Auf dieser Weise ist es wohl mehr als einleuchtend, dass es eine große Diskrepanz zwischen der Theorie im Grundgesetzt und der auf den Strassen tatsächlich gelebten Religionsfreiheit gibt. All dies wäre nicht so schlimm, würde die Situation nicht stark an den Zustand der 30er Jahre erinnern. Man braucht nämlich kein Religionswissenschaftler oder Historiker zu sein um zu wissen, dass damals das gespannte Verhältnis zwischen rechte Katholiken und Juden den Nationalsozialisten ein willkommenes politisches Instrument war, dass ihnen schließlich zur Macht verholfen hat. Sind wir heute wirklich so weit davon entfernt? Kleinigkeiten, die gar nicht so klein sind sprechen das Gegenteil. Muslimen wird das Recht auf eigenen Religionsunterricht verwehrt obwohl sie eigentlich einen verfassungsrechtlichen Anspruch darauf hätten. Journalisten und Blogger, werden auf der Strasse offen diskriminiert, attackiert, mit Anzeigen überhäuft, finden keine Arbeit, geraten vielseitig unter Druck. Ganzen Religionen darf das Existenzrecht infragegestellt werden und werden medial als die neuen Feindbilder aufgebaut. Dies ist nur deshalb möglich, weil die Mehrheit es erlaubt. Weil jene die sprechen sollten es vorziehen zu schweigen. Haben wir das nicht schon mal erlebt?
Manche sagen die Trennung zwischen Staat und Kirche wäre die Lösung. Vielleicht. Jenseits der Spekulation Tatsache ist aber, dass die weltanschauliche Neutralität im staatlichen Raum nur ein Wunschtraum geblieben ist. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es die Natur der religiösen Praxis ist, nicht neutral zu sein. Deshalb braucht Deutschland mehr als nur Absichtserklärungen um die Religionsfreiheit in der Gesellschaft zu garantieren. Es bedarf an Foren und Instanzen die sicherstellen, dass alle Gruppen in der Gesellschaft, inklusive Atheisten und Agnostikern, gleichermaßen mitgestalten was unter Religionsfreiheit verstanden wird. Viele Menschen genauso wie ich, sind sich sicher, dass solche Foren der Demokratie jene Vitalität zurückgeben würden, die sie so dringend braucht.

Wie gesagt sind da aber nicht nur äußere Faktoren die mich zu einer Pause bewegen. Zum anderen ist da auch die Meditationspraxis. Diese ermahnt mich daran, dass wenn ich nur noch die Äußere Welt um mich herum verändern möchte, dass es dann wieder an der Zeit ist, an der Sicht zu arbeiten, welche die Welt wahrnimmt. Das bedeutet jene Veränderung zu sein, die ich in der Welt gerne sehen will. Aus der Sicht der Einheit nämlich gehört absolut alles dazu. Die Einheit ist Hier und Jetzt in Allen Dingen präsent.

Meister Nyojo, der Lehrer von Meister Dogen, der Begründer der Soto Zen Schule sagte Mal:

Richtet eure Knochen auf dem ebenen Boden auf,
Schaufelt euch eine Höhle im Raum.
Überschreitet die Schranken des Dualismus
Und erfasst die Welt der Nicht-Unterscheidung.

Mit diesem Gedicht, leitete er das Sommer Training ein. Eine Zeit des stillen Verweilens, dass auf Buddha Shakyamuni zurückgeht. In Indien dauerte die Regenzeit des Monsuns ca. 3 Monate und in dieser Zeit kam die gesamte Gemeinde um zusammen mit Buddha ein besonders intensives Zazen-Trainning abzuhalten. An dieser Tradition möchte ich anknüpfen und den Blick der Aufmerksamkeit nach Innen richten. Auch wenn Innen und Außen nur eine didaktische Unterscheidung ist. Haltet Euch gut. Gassho.

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