NICHT-UNTERSCHEIDUNG


Richtet eure Knochen auf dem ebenen Boden auf.
Schaufelt euch eine Höhle im Raum.

Überschreitet die Schranken des Dualismus

Und erfasst die Welt der Nicht-Unterscheidung

Meister Nyojo, der Lehrer von Meister Dogen der Begründer der Soto Zen Schule, leitete mit diesem Gedicht das Sommer Training ein. Ein Satz der für jeden Zen Praktizierenden wie ein Sprung in das wirkliche Leben ist. Es beschreibt den weiten Himmel, der ungestört bleibt dem kommen und gehen der Wolken zum Trotz. Der Raum in dem die Schranke des Dualismus überschritten werden kann. Jene Weite in der wir die Unterscheidungen von ihrem Ausdruck bis zur Quelle zurück verfolgen können. Wir beobachten die Tat, hören die Sprache und sehen die Bilder aus der sie stammt. Wir erkennen das Denken, dass die Sprache und die Bilder in uns erzeugt. Wir fühlen die Emotion aus der das Denken entsteht.

Innen – Außen; Negativ – Positiv; Wir – Die Anderen; Gut – Böse; Freund – Feind

Sind nur einige der Denkmuster innerhalb welcher sich unsere Gefühlswelt für gewöhnlich bewegt. So ist die jährliche Periode des in der Stille Verweilen seit den Anfängen des Buddhismus für jeden aktiv praktizierenden von unschätzbaren Wert. Aus der Stille heraus, in dem wir uns mit der Aktivität eines Tempels im Einklang bringen, können die Bilder und die Sprache zur Ruhe kommen. Das hat einen Einfluss auf das Denken und damit natürlich auch auf die Gefühlswelt . Wir harmonisieren uns mit allen Dingen und erkennen dabei, dass dies eigentlich der natürliche Zustand der Dinge ist. Einfach deshalb, weil Alle Dinge das Selbst sind.

Richtet eure Knochen auf dem ebenen Boden auf.
Aus der Einheit von Körper und Geist lässt sich mit Klarheit erkennen, dass die Innenwelt von der Außenwelt abhängt und die Außenwelt von der inneren Welt. Diese Haltung des Körper – Geistes übertragen wir auf jede Aktivität. Auf die Meditation, auf die Arbeit, auf das Kochen, auf das Essen, auf die Freizeit. Wie könnte diese Erfahrung nicht von unermesslicher Wichtigkeit sein? Wir erfahren, dass die Einheit von Körper und Geist auf alle Aktivitäten des Alltags übertragbar ist und dass auch jegliche Aktivität eine Gelegenheit der Übung darstellt.

Schaufelt euch eine Höhle im Raum.
Doch jede Aktivität kann zur einer Gelegenheit der Übung werden nur wenn wir aktiv etwas dafür tun. Wir gehen bewusst mit unseren Körper um. Wir richten auf ihn und auf unsere Atmung unsere gesamte Aufmerksamkeit. Die Höhle ist die Übung mitten in der Gedankenwelt. Das ist der Raum in dem die Gegensätze aufhören der Horizont unserer Geisteswelt zu sein.

Überschreitet die Schranken des Dualismus.
Denn die Schranken, des Dualismus zu überschreiten bedeutet nicht nur mit Klarheit zu erkennen, dass da wo es negative Kräfte gibt auch positive gibt. Ebenso bedeutet es nicht nur, dass die negativen Kräfte welche wir außerhalb von uns glauben in uns selbst sind. Es bedeutet vielmehr zu verstehen und zu erfahren, dass genau diese negativen Kräfte, welche in der äußeren Welt existieren, weil sie auch in uns präsent sind, nur deshalb in unserem Leben geistern, weil wir selbst voller Unterscheidungen sind. Allein schon das Verständnis dieser Wahrheit verdeutlicht wie nah der wahre Frieden ist. Wie könnte diese Haltung des in der Ruhe Verweilens nicht auf alles was wir tun, auf unsere gesamten Lebenswelt einen unbegrenzten Einfluss haben? In der Ruhe, in der Stille, erkennen wir jede Emotion genau. Die Wut. Was kann einen Menschen dazu bringen jemand anderen verstoßen zu wollen, ihn vertreiben zu wollen oder gar töten zu wollen, weil er eine andere Meinung, einen anderen Glauben hat, wenn nicht die Wut? Was könnte mich dazu bringen, jemanden nicht mehr in meiner Nähe wohnen lassen zu wollen, jemanden zu hassen, jemanden vertreiben zu wollen von dem ich eigentlich nichts weiß? Von dem das was ich weiß, ich es aus den Medien oder durch Dritte erfahren habe? Was, wenn nicht die Wut?

Also beobachte ich die Wut mit größter Aufmerksamkeit. Wie Sie in der Außenwelt weilt, wie sie in der Welt außerhalb von mir agitiert, wie ich sie aufnehme und aus der Emotion ein Gefühl, ein Gedanke, ein Wort, eine Tat wird. Doch welchen Wert hätte die Aufmerksamkeit würden wir es bei der bloßen Beobachtung belassen? Manche sagen die Antwort käme von selbst. Ich ziehe es vor zu sagen keinen, denn der einzige Augenblick in den wir wirklich leben ist immer wieder jetzt. Also ist es notwendig einen Schritt weiter zu gehen, aus einer passiven Haltung hinein in die Aktivität. Wenn wir uns dem Aufkommen der Wut bewusst werden, hat sich die Unklarheit erst halb aufgelöst. Dann wird es auch notwendig die Wut aktiv zu unterbrechen. Die Wut ist im Buddhismus nicht umsonst ein Gift. Lassen wir sie zu, trübt dieses Gift sofort unsere Gefühlswelt. Es konditioniert unsere Gedanken, es prägt unsere Sprache, es beeinflusst unser Handeln. Lassen wir also nicht zu, dass diese Wut unsere Lebenswelt einnimmt. Dies ist der aktive Aspekt der Aufmerksamkeit. Ein Aspekt dass natürlich sowohl für die Innenwelt als auch für das soziale Leben gilt. Wo auch immer wir der Wut begegnen, von wem auch immer sie kommen mag, lassen wir die Hetze, die Wut und die Agitation nicht in unser Leben hinein. Seien wir uns ständig dessen bewusst, dass die Wut ein Gift ist.

Und erfasst die Welt der Nicht-Unterscheidung.
Doch was wäre die aktive Aufmerksamkeit ohne der Möglichkeit die Welt der Nicht-Unterscheidung zu erfassen? Lediglich eine Entspannungstechnik für den gestressten Geist. Lediglich eine Möglichkeit eine Verbindung herzustellen zwischen unseren Körper und unseren Geist. Aber die Welt der Nicht-Unterscheidung ist viel mehr als das. Es ist ein Ort der Begegnung aller Begriffe und Konzepte , es ist die Randzone für alle Gegensätze dieser Welt. Es wird z.B. behauptet, dass die Vernunft die natürliche Gabe des Menschen sei Handlungsfolgen und Handlungsmuster zu erkennen, sie einzuschätzen und je nachdem zu ändern wenn es förderlich für das Zusammenleben ist. Dieser Definition der Vernunft steht das in der Ruhe Verweilen, der Geist eines Sommerlagers, sehr nah. Denn in der Ruhe verweilen, heißt in Wirklichkeit, in der Wirklichkeit zu verweilen. Einen Geist zu bewahren dass ungetrübt ist von der Emotion. Ein an für sich höchst vernünftiger und aufklärerischer Akt. Denn was heißt es, sich des Einflusses der Gefühle auf unser Denken, unsere Sprache und unsere Taten bewusst zu werden, wenn nicht sich von der Instrumentalisierung frei zu sein? Mit anderen Worten, wenn wir uns daran üben von Emotionen wie die Wut nicht einnehmen zu lassen, üben wir uns daran die individuelle Freiheit zu wahren, welche im Einklang steht mir der sozialen Pflicht. Dualismen wie Innen und Aussen, Negativ – Positiv, Wir die Anderen, Gut – Böse, Freund – Feind, werden ganz natürlich als das erkannt was sie sind. Lediglich punktuelle Projektionen eines Geistes der getrübt ist von der Emotion. Ist der Mensch frei von diesen Projektionen kann sich der Menschen dem Leben zuwenden. Ganz von selbst wendet sich dann auch das Leben dem Menschen zu.

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INNEN UND AUßEN


Vorne und Hinten,
Im Abendlicht vermischt.
Durchsichtiges Glas.

Liebe LeserInnen, die ethischen Prinzipien des Buddhismus können im Grunde auf zwei Maxime reduziert werden. Das Unheilvolle unterlassen. Das Heilvolle tun. Weiter gehen wir davon aus, dass absolut alles was wir tun, denken, sagen, schreiben, tun oder unterlassen zu tun sich unwiderruflich auf unsere Zukunft auswirken wird. Weil dies so ist, glauben ich dass es meine Pflicht ist doch noch auf die Gründe einzugehen, die mich dazu veranlassen mit diesem Blog eine Pause einzulegen. Zum einen sind da äußere Faktoren und zum anderen sehe ich auch innere Gründe für diese Entscheidung.

Im Äußerem ist, wie bereits erwähnt, deutlich spürbar wie gewisse Gruppierungen die Religionsfreiheit wieder in Frage stellen indem sie ein Klima der Anfeindung gegenüber Andersdenkende- und glaubende auf den Strassen der Stadt schaffen. Auch kann wahrgenommen werden, dass die Pressefreiheit immer mehr in Gefahr gerät. Die Politik hat zwar bereits erste Schritte eingeleitet um diesem Zustand entgegenzuwirken, davon zeugt die Ernennung eines EU Sonderbotschafters für Religionsfreiheit, jedoch sind diese Maßnahmen noch sehr weit von unserer konkret gelebten Wirklichkeit entfernt. Die Probleme welche verhindern, dass das Grundrecht auf Religionsfreiheit uneingeschränkt für alle geltend gemacht werden kann, sitzen nämlich viel tiefer. Sie haben vor allem damit zu tun, dass das was im Grundgesetz als Religionsfreiheit definiert wird, in der Gesellschaft de facto durch das Recht des Stärkeren ersetzt wird . Wer die besseren Kontakte hat, wer am besten vernetzt ist, wer am besten in der Politik und im Staat vertreten ist, bestimmt was die Religionsfreiheit ist. Auf dieser Weise ist es wohl mehr als einleuchtend, dass es eine große Diskrepanz zwischen der Theorie im Grundgesetzt und der auf den Strassen tatsächlich gelebten Religionsfreiheit gibt. All dies wäre nicht so schlimm, würde die Situation nicht stark an den Zustand der 30er Jahre erinnern. Man braucht nämlich kein Religionswissenschaftler oder Historiker zu sein um zu wissen, dass damals das gespannte Verhältnis zwischen rechte Katholiken und Juden den Nationalsozialisten ein willkommenes politisches Instrument war, dass ihnen schließlich zur Macht verholfen hat. Sind wir heute wirklich so weit davon entfernt? Kleinigkeiten, die gar nicht so klein sind sprechen das Gegenteil. Muslimen wird das Recht auf eigenen Religionsunterricht verwehrt obwohl sie eigentlich einen verfassungsrechtlichen Anspruch darauf hätten. Journalisten und Blogger, werden auf der Strasse offen diskriminiert, attackiert, mit Anzeigen überhäuft, finden keine Arbeit, geraten vielseitig unter Druck. Ganzen Religionen darf das Existenzrecht infragegestellt werden und werden medial als die neuen Feindbilder aufgebaut. Dies ist nur deshalb möglich, weil die Mehrheit es erlaubt. Weil jene die sprechen sollten es vorziehen zu schweigen. Haben wir das nicht schon mal erlebt?
Manche sagen die Trennung zwischen Staat und Kirche wäre die Lösung. Vielleicht. Jenseits der Spekulation Tatsache ist aber, dass die weltanschauliche Neutralität im staatlichen Raum nur ein Wunschtraum geblieben ist. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es die Natur der religiösen Praxis ist, nicht neutral zu sein. Deshalb braucht Deutschland mehr als nur Absichtserklärungen um die Religionsfreiheit in der Gesellschaft zu garantieren. Es bedarf an Foren und Instanzen die sicherstellen, dass alle Gruppen in der Gesellschaft, inklusive Atheisten und Agnostikern, gleichermaßen mitgestalten was unter Religionsfreiheit verstanden wird. Viele Menschen genauso wie ich, sind sich sicher, dass solche Foren der Demokratie jene Vitalität zurückgeben würden, die sie so dringend braucht.

Wie gesagt sind da aber nicht nur äußere Faktoren die mich zu einer Pause bewegen. Zum anderen ist da auch die Meditationspraxis. Diese ermahnt mich daran, dass wenn ich nur noch die Äußere Welt um mich herum verändern möchte, dass es dann wieder an der Zeit ist, an der Sicht zu arbeiten, welche die Welt wahrnimmt. Das bedeutet jene Veränderung zu sein, die ich in der Welt gerne sehen will. Aus der Sicht der Einheit nämlich gehört absolut alles dazu. Die Einheit ist Hier und Jetzt in Allen Dingen präsent.

Meister Nyojo, der Lehrer von Meister Dogen, der Begründer der Soto Zen Schule sagte Mal:

Richtet eure Knochen auf dem ebenen Boden auf,
Schaufelt euch eine Höhle im Raum.
Überschreitet die Schranken des Dualismus
Und erfasst die Welt der Nicht-Unterscheidung.

Mit diesem Gedicht, leitete er das Sommer Training ein. Eine Zeit des stillen Verweilens, dass auf Buddha Shakyamuni zurückgeht. In Indien dauerte die Regenzeit des Monsuns ca. 3 Monate und in dieser Zeit kam die gesamte Gemeinde um zusammen mit Buddha ein besonders intensives Zazen-Trainning abzuhalten. An dieser Tradition möchte ich anknüpfen und den Blick der Aufmerksamkeit nach Innen richten. Auch wenn Innen und Außen nur eine didaktische Unterscheidung ist. Haltet Euch gut. Gassho.

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ZEN UND DAS GEFÜHL

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Der reine Spiegel,
Reflektiert alles wieder.
Makellos genau.

Ich muss gestehen es gibt Tage an denen ich glaube, dass die Sonne nicht mehr aufgehen will. Tage an denen es mir vorkommt als würden die Blumen in der Wüste wachsen und die Blätter der Bäume seien aus Sand. Tage an denen ich fest glaube, dass die nächtliche Spiegelung des Mondes auf dem Wasser, der Mond sei. An solchen Tagen frage ich mich worauf ich hören soll, auf mein Gefühl oder doch auf meinen Verstand. Ich überlege hin und her, vergleiche, wäge ab: Ist es das alles Wert? Was bringt mir das überhaupt? Ein Wirklichkeit gewordener Traum muss nicht unbedingt ein Traum bleiben. Es kann auch einfach nur die Wirklichkeit sein, die Ihre Unschuld nicht mehr zu verstecken braucht. Andererseits ist da auch das reine Gefühl. Das Gefühl, dass mich überkommt wenn ich durch die Strassen dieser Stadt gehe und ich anfange zu überlegen, was ich hier so alles schon erlebt habe. Eine Empfindung, die an Intensität gewinnt wenn ich mich daran zu erinnern anfange, was mich Alles hierher gebracht hat. Wie viele Menschen, wie viele Geschichten, wie viele Situationen. Ein Gefühl das meinen ganzen Körper erfasst, wenn ich zu überlegen beginne was die Generationen vor mir genau an dieser Stelle wo ich jetzt gerade bin alles erlebt haben müssen, damit diese Stadt heute uns allen Schutz, Geborgenheit und ein Zuhause sein kann. In solchen Augenblicken, verspüre ich oft ein merkwürdiges Gefühl der Scham. Mein Eigennutz wird mir besonders bewusst. Der Intellekt mit seiner ständig im Hintergrund agierenden Frage, was mir das alles persönlich bringt. Eine Frage, die das reine Gefühl verunreinigt, ja sogar verunglimpft. Ich stelle fest, dass das der Ort sein muss and dem die Gleichgültigkeit und die Feigheit ihren Ursprung haben müssen. Wenn wir anfangen abzuwägen warum wir das tun was wir gerade tun. „Ist es das wert?“ ist nicht eine harmlose Frage stelle ich fest, es kann auch ein Vorwand sein und vor allem zeigt sie inwieweit das reine Gefühl vom Intellekt getrübt ist.

So einfach ist das nicht. Das Herz kann durch die Liebe verwundet worden sein. Das reine Gefühl muss also geschützt werden. Es benötigt Reife, es darf nicht so verletzlich sein. Mauern müssen her um es zu behüten. Ist das wirklich war? Wenn die Stimme des Zweifels durchsickert ist das Wasser doch schon trüb. Das ist, das was mir das reine Gefühl sagt und stelle damit fest, dass dieses Gefühl nicht nur eine Empfindung ist. Dafür ist seine Stimme zu klar. Deutlich glaube ich zu vernehmen, dass sie anwesend ist noch bevor das Denken einsetzt, noch bevor ich abwägen kann. Sie ist so klar wie ein makelloser Spiegel der Alles wahrheitsgetreu wiedergibt. Das ist die Stimme, die mich persönlich daran ermahnt, dass in Zeiten in denen die Einhaltung der Grundrechte nicht gewährleistet werden kann, es klüger wäre zu Schweigen wie ein Baum. Nur so schafft es ein Baum den Frühling mit dem selben Gemüt zu empfangen wie den Sommer oder auch den Herbst. Er schweigt. Doch diese Weisheit des Baumes besitze ich nicht. Im Gegensatz zu einem Baum, kann ich wieder gehen wie ich gekommen bin. Womöglich, dahin wo die freie Meinungsäußerung noch ein erklärtes Ziel ist. Dahin wo den Menschen die Meinung der anderen, sei sie noch so verschieden, so wichtig ist wie die eigene Meinung selbst. Womöglich, dahin wo das Gesetz auf Religionsfreiheit nicht für eine Gruppe allein gültig ist. Dahin, wo unter Vielfalt nicht ein zurecht geschorener Garten verstanden wird, sondern eine Wiese, wo viele verschiedene Blumen einen Platz haben, sogar das Unkraut. Ja, vielleicht tue ich das sogar. Es ist sehr wahrscheinlich. Aber noch nicht jetzt. Noch nicht jetzt, denn gerade in diesem Augenblick, wenn Jetzt vollständig Jetzt ist, habe ich gar keine Wahl als Hier zu sein. Das sagt mir das reine Gefühl, der Geist der da ist noch bevor das Denken einsetzt.
Wenn ich jetzt gerade bleibe, dass ist es also nicht weil ich nichts gelernt hätte aus der Vergangenheit. Es ist auch nicht weil ich glaube etwas besser zu wissen als alle anderen. Es ist einzig und allein, weil ich festgestellt habe, dass es zu diesem Augenblick es keine Alternative gibt. Und nicht nur dass es zu diesem Augenblick es keine Alternative gäbe, dieser Augenblick ist alles was ich habe. Dieser Augenblick ist alles was ich bin. Je nachdem wie wir es anschauen kann das sehr wenig oder sehr viel sein, für mich auf jeden Fall hat es unermesslichen Wert. Es gibt mir zum Beispiel die Gewissheit darüber, dass Anna Seghers mit der Behauptung der Faschismus hätte ein Niemandsland zwischen den Generationen gelegt, nicht ganz Recht gehabt hat. Das sagt mir heute das reine Gefühl. Die Menschen sind durch etwas verbunden, dass jenseits der Tradition, der Kultur, der Sprache und sogar der Zeit liegt.

Ich muss gestehen es gibt Tage an denen ich nicht genau erkenne, dass es mir an nichts fehlt. Tagen an denen ich mir wünschte ich wäre gesünder, ich wäre jünger, attraktiver und hätte mehr Geld. Tagen an denen ich nicht genau erkenne, dass die Dinge das sind was sie sind. Tagen an denen ich vergesse, dass es nichts gibt, was das reine Gefühl nicht durchdringt.

Liebe FreundInnen, in Deutschland dürfen gewisse Gruppierungen die Religionsfreiheit wieder in Frage stellen. Ein Klima der Anfeindung gegenüber Andersdenkende- und glaubende ist auf den Strassen deutlich zu spüren. Auch die Pressefreiheit ist in Gefahr, denn immer mehr sind die Journalisten und Publizisten, die nicht nur öffentlich in Frage gestellt werden, sondern auch privat Einschränkungen erleben müssen. Dies ist ein Zustand, den nur die Politik und die Exekutive lösen können. Darum bitten wir um Verständnis dafür, dass solange diese Grundrechte nicht gewährleistet werden können, wir die Aktivität dieses Blogs einstellen müssen. Es gibt nämlich keinen einzigen Grund zu streiten. Zumindest aus der Sicht des Buddha Dharmas nicht. Mögen alle Wesen Glücklich und zufrieden sein. Gassho.

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EMANZIPATION UND ZEN


Die Statue aus Stein,
Ist die halbe Wahrheit nur.
Unendlicher Strahl.

Das Wasser, das in der Brandung zerschellt. Ein einsamer Stein. Die Sterne, die Licht spenden selbst in der finstersten Nacht. Der kalte Wind. Eine Blume welche Ihre Knospen zu öffnen beginnt. All diese Dinge benötigen die Schminke nicht. Sie bedürfen keinerlei Rechtfertigung um sich selbst zu sein. Sie müssen nicht bis dahin gehen wo sich die Grenzen auflösen und wo es kein zurück mehr gibt um vollständig sich selbst zu sein. Sie müssen nicht auf andere hinweisen um ganz und gar das Wasser, der Stein, die Sterne, der Wind oder die Blume zu sein. Das Selbe können wir von uns Menschen nicht sagen. Wir sind oft enttäuscht, einsam, sehnsüchtig und alt und möchten immerwährend stattdessen glücklich, geborgen, zufrieden und jung sein. Doch so funktioniert die Emanzipation nicht. Vollständig sich selbst zu sein heißt nicht, dass es einen besseren Augenblick gibt, der besser wäre als Jetzt. Sich emanzipieren heißt etwas vom ganzem Herzen tun.

Doch was heißt etwas vom ganzem Herzen tun? Heißt es der nackten Emotion zu folgen so wie sie ist? Sich den Gefühlen die aufkommen vollständig anzuvertrauen noch bevor das Denken einsetzt? Oder heißt es vielleicht etwas aus voller Überzeugung zu tun? Also aus einem Reifeprozess heraus zu handeln, nach dem genauestens erwägt wurde was gut und nützlich ist und was nicht? Ich weiß es nicht. Bei der ersten Variante fehlt es mir an Weisheit. Bei der zweiten an Spontaneität. Wenn ich mich den Gefühlen überlasse ist die Folge meiner Taten nicht immer heilvoll. Andererseits, müsste ich über Alles erstmal nachdenken, würde ich die Synchronizität vermissen, die es zwischen dem Herzen und alle Dinge dieser Welt gibt. Die Bewegung der Innenwelt im selben Rhythmus wie die Außenwelt.

Im gesellschaftlichen Alltag wird für gewöhnlich unter Emanzipation die Ungleichbehandlung der Frau verstanden. So verbinden wir mit der Emanzipation oft eine Bemühung in einer gewissen Richtung. Wir assoziieren damit den Widerstand, den Kampf um die Gleichberechtigung und damit mit einer bewussten Positionierung in einen gewissen gesellschaftlichen Kontext. So gesehen wird die Emanzipation gesellschaftlich oft wie eine ständige Diskriminierung verstanden. Wie eine bewusste Entscheidung in einer ganz bestimmten Richtung. Manche Experten sprechen sogar von einer positiven Diskriminierung, weil es eine Andersbehandlung ist, die einem guten Zweck dienen soll. Ich muss gestehen, dass spätestens an dieser Stelle es bei mir „Halt!“ schreit. Ich frage mich, wie kann ich etwas vom ganzem Herzen tun wenn ich weiß, dass dem eine Diskriminierung zugrunde liegt. Ist da nicht Anstrengung, Willenskraft ja sogar Gewalt? Die so typischen Ingredienzien für die Illusion der Kontrolle und der Manipulation. Haben wir das nicht schon Mal erlebt? Das Ausgrenzen von Andersgläubigen, das öffentliche Mobbing, die offene Diskrimination? Nein, das hat nichts mit der wahren Emanzipation zu tun, das hat auch nichts mit Religion zu tun, denn auch im Glauben spielt die Emanzipation eine Rolle wenn darunter ein Befreiungsprozess verstanden wird. Das ist ein verschieben der Machtverhältnisse bloß. Gibt es eine Rechtfertigung dafür? Wirklich? Wo sind da die Grenzen? Die Liebe ist dem Hass so nah, dass man oft den Unterschied kaum noch erkennt. Genauso nah wie die Demokratie dem Faschismus und seinem Diktat. Lieber Taxifahrer, liebe Verkäuferin von Nebenan, liebe Bekannte, lieber Freund, im Grunde ist es ganz einfach. Es ist wie mit der Lüge: wenn Du lügst, dann bist du im selben Augenblick ein Lügner und sonst nichts. Genauso ist es mit der Diskriminierung auch. Wenn Du andere diskriminierst , weil sie nicht an das selbe glauben wie Du, oder weil er/sie anders aussieht, dann bist du ein Rassist. Geht es deutlicher noch? Und da hilf auch nicht die Ausrede, dass dein Freund ein Ausländer ist und dass Du im Grunde tolerant bist. Was mich angeht, wenn das die Befreiung der Emanzipation sein soll, dann bin ich lieber ganz und gänzlich unfrei. Ich weiß, Du kannst damit leben, aber wie weit sind wir da noch von der Reichskristallnacht? Also bitte sei auch Du mir nicht Böse wenn ich mit der angeblich positiven Diskriminierung überhaupt nicht einverstanden bin und mich massiv dagegen wehren muss. Auch wenn es mich meine innere Ruhe kostet aber die Emanzipation auf Kosten von Feindbildern ist so leicht instrumentalisierbar. Mit all dem will ich nicht sagen, dass es die Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft nicht gibt. Damit will ich lediglich sagen, dass Unrecht durch Unrecht begleichen zu wollen ist eine Rechnung die sich nicht ausgehen kann. Einfach deshalb, weil wer ein Schild bekommt, dem verlangt es gleich anschließend nach einem Schwert. Damit wären wir beidem was die innere Ruhe wirklich ist. Viele Menschen denken, die innere Ruhe wäre eine Art innere Vertiefung bei der wir uns abkapseln oder Urlaub machen von der Welt und von uns selbst. Sie sind der Meinung die Gelassenheit die wir bei der Meditation erfahren, wäre eine Art Passivität oder ein sich flüchten in einer anderen, vermeintlich heileren, Welt. Aber diese Entspannung ist nur ein Nebeneffekt. Viel wichtiger ist die Erkenntnis. Die Erkenntnis darüber, woher die Dinge kommen und wohin sie sich bewegen. Die Erkenntnis über unsere eigene Vergänglichkeit und unsere wirkliche Essenz. Diese ist die Erkenntnis, welche die wirkliche Emanzipation bewirkt.

Die Emanzipation ist deshalb gleichbedeutend mit etwas vom ganzem Herzen tun. Es ist eine kreative Energie, die aus der Erkenntnis resultiert, dass die Trennung eine Illusion ist. Es ist die Freude darüber endlich verstanden zu haben, dass wir nicht Allein sind und deshalb Fortschritte nur gemeinsam möglich sind. Ich lenke meine Aufmerksamkeit nach Innen und glaube zu erkennen, dass da tatsächlich etwas ist, das uns alle gleichermaßen betrifft und uns alle in unserer Entwicklung hemmt. Etwas, dass unabhängig von Geschlecht, alter, ethnischer Herkunft, Nationalität oder Religion uns allen ein gemeinsames Hindernis ist auf den Weg vollständig wir selbst zu sein. Unsere Konditionierungen. Unsere spezifische und individuelle Art und Weise die Welt und uns selbst wahrzunehmen. Das was uns zu Individuen macht, worin aber gleichzeitig das Leiden keimt. Das ist das Feld für die wirkliche Emanzipation. Männer haben ihre Rollenbilder genauso wie Frauen auch. Sind die einen deshalb glücklicher oder besser als die anderen? Lässt sich das wirklich sagen? Das heißt nicht etwa wir sollen die Schminke aufgeben wenn es uns gefällt geschminkt zu sein. Es heißt lediglich, dass die Möglichkeit besteht, dass das was wir denken und finden (das was wir für gewöhnlich „ich“ nennen und so für wichtig halten) auch nur ein Haufen zusammengewachsener Konditionierungen sein kann. Ob mehr dahinter ist? Ich weiß es nicht. Sich auf den Weg machen und es selbst entdecken zu wollen, das heißt Emanzipation. Auf jeden Fall wäre es nicht tragisch ja sogar grotesk andere zu diskriminieren, wenn wir nicht mal wissen wer wir wirklich sind?

Die Brandung ist die Brandung, darum zerschellen an ihr die Wellen und das Wasser kehrt zurück in den Ozean. Wäre der Stein nicht einsam, dann wäre er nicht der Stein. Die Sterne sind die Sterne darum spenden sie Licht selbst in der finstersten Nacht. Der Wind weht aus den hohen Norden darum ist er kalt. Eine Blume öffnet ihre Knospen und kündigt damit den Frühling an. Sie vergleicht sich nicht, ihr verlangt es nach der Anerkennung der Bäume und des Windes nicht. Sie ist vollständig eine Blume und deshalb sagen wir Menschen sie sei schön.

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ZEN UND DIE NORMEN


Die hohen Mauern,
Halten das Wasser nicht auf.
Es verändert die Form.

Die Normen sind des Rhythmus Feind. Sie behindern den freien Fluss. Sie haben den Anspruch das zu hemmen was im Grunde unaufhaltsam ist. Sie bezwecken einzugrenzen was keinen Anfang hat und zu beenden was unendlich ist. Kein Wunder, dass sie ganz und gar unpassend wirken. Unnatürlich, aufgesetzt, grob und oft durch und durch zwecklos. Wie der Vorsatz den Wind mit einem Netz einfangen zu wollen. Wie der Wunsch den Frühling aufzuhalten. Oder wie der Versuch die Strahlen der Sonne mit einem Finger zu verdecken. Und doch verwenden wir sie, die Normen und die Regeln. Nicht zuletzt, weil sie das Verständnis und die Kommunikation ermöglichen. Wäre es aber deswegen richtig die Normen und die Regeln mit dem Sein zu verwechseln? Wäre das nicht eine gefährliche Vereinfachung von etwas dass unsagbar vielfältig und spontan ist? Hören wir nicht schon bei dem Gedanken allein die Monotonie einer Marschmusik?

Nehmen wir doch nur die Einsamkeit. Die Einsamkeit denken wir oft als eine Art Ungnade, als ein Schlag des Schicksals. Wir denken die Einsamkeit sei langweilig, sie sei langsam, traurig und unattraktiv. Doch schwingt bei all diesen Assoziationen nicht auch die Angst mit? Die Furcht vor der Ungewissheit oder die Angst uns im kaltem Nebel der Einsamkeit selbst zu begegnen und überhaupt nicht zu mögen was in uns selbst ist? Andererseits aber, was geschieht wenn wir die Ungewissheit so nehmen und akzeptieren wie sie ist? Welche Verwunderung können wir erleben, wenn der Nebel der Gedanken sich plötzlich auflöst. In solchen Augenblicken verstehen wir wirklich, dass das Leben von Augenblick zu Augenblick in Wirklichkeit ein immerwährendes Abenteuer und ein Ort der Begegnung ist. So gesehen, kann die Einsamkeit auch ein Geschenk sein. Weder Verschlossenheit noch Strafe, sondern der Treffpunkt für die Innen- mit der Außenwelt. Aus dieser Perspektive, was repräsentiert ein moralisierender Zeigefinger der uns auferlegen will, dass die Einsamkeit unerwünscht sei und gleichbedeutend mit einer Depression ist? Für mich zumindest ist das ein Ausdruck von zutiefst verwurzeltem Leid. Es repräsentiert nicht nur den Versuch der Kolonialisierung der Lebenswelt, es drückt Ignoranz aus. Die Unwissenheit über wer wir wirklich sind.

In der Gesellschaft ist dieser Versuch Normen und Regeln durchzusetzen ein erprobtes Mittel der Politik. Nicht nur im Establishment, sondern durchaus auch wenn es um die Emanzipation geht. Es wird moralisiert um Wirkung zu erreichen und um den Willen einer gerechten Sache werden die alten Bilder durch neue ersetzt. Die Frage ist nur, ob auf diese Weise wirkliche Emanzipation möglich ist. Nicht nur dass alte Illusionen durch neue ersetzt werden, und dies wird uns als Emanzipation verkauft, sondern bleibt der Zustand der Abhängigkeit bestehen und damit unsere Lebenswelt auch weiterhin begrenzt. An dieser Stelle angelangt sagen manche, das wahre Gesicht würde sich dann manifestieren wenn alles aus dem Inneren an die Oberfläche unseres Verhaltens kommt. So raten sie an: „Du muss klar sprechen“, „Du muss dich durchsetzen lernen“, „Du brauchst Hardskills“, „Du muss schön sein“, „Du muss toleranter, offener, erfolgreicher sein“, „Und überhaupt muss Du anders sein als Du jetzt gerade bist“. Ist jeder dieser Ratschläge im Grunde nicht doch nur ein Schlag? Die Botschaft dahinter ist doch: „Hier und Jetzt bist Du nicht in Ordnung so wie Du bist. In der Zukunft vielleicht, und nur wenn Du wirklich etwas dafür tust“. Kein Wunder, dass beim befolgen solcher Ratschläge gleich von Beginn Frustration und Wut aufkommt. Ein Gefühl, dass mit der Zeit stärker und stärker werden kann, wenn wir feststellen, dass die Wut, die Gier, die Unwissenheit ungezügelt zum Ausdruck zu bringen zwar eine gewisse Befreiung mit sich bringen kann, aber dass wir dies im Grunde auch schon als Kleinkinder gewusst haben. Ist das wirklich mein wahres Gesicht oder ist die Zurschaustellung der Emotion nicht doch nur ein Zeichen von Unreife und Hilflosigkeit? Somit liegen Verschwörungstheorien fast schon auf der Hand, denn genauer hingeschaut steckt hinter jedem Ratschlag im Grunde ein Manipulationsversuch. Oder ist es gar viel besorgniserregender und verbirgt sich hinter diesen gut gemeinten Ratschlägen nicht doch auch ein mittelalterliches Exorzismusritual? Nein doch, was würde es bringen weiter zu spekulieren? Fest steht auf jeden Fall, dass die nackte Emotion nicht unser wahres Gesicht sein kann. Sie ist der Ausgangspunkt, der Beginn. Hinter unseren Empfindungen und Gefühlen verbergen sich unsere Konditionierungen und viel weiter dahinter ist wer wir wirklich sind.

Manchmal frage ich mich wie ich verhindern kann, dass die Normen und Regeln die Überhand über den natürlichen Fluss der Dinge in meinen Leben gewinnen. Im gesellschaftlichen Leben habe ich festgestellt, dass das wirksamste Mittel gegen die zunehmende Kolonialisierung der Lebenswelt ist, konsequent für die Aufklärung zu sein. Ständig offen für die wahre Vernunft und auf dieser Basis Augenblick für Augenblick am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und aktiv den Lebensraum in dem wir leben mitzugestalten. Das heißt im Bezug auf die Emanzipation z.B. darauf aufmerksam zu machen, dass der Ersatz von alten Rollenbildern durch neue nicht nur nicht befreiend, sondern zutiefst Antiaufklärerisch und sogar Antifeministisch ist. Diese Scheinemanzipation kreiert den Eindruck einer falschen Befreiung, was damit die Kraft der Konditionierungen noch zusätzlich verstärkt. Und das heißt im Bezug auf die Religion? Vielerlei. Zuerst, dass Religion viel mehr als nur Privatsache ist, denn die Wahl der Glaubens ist ein Recht. Und dass die Wahl des Glaubens ein Recht ist, bedeutet wiederum mehrere andere Dinge zugleich. Es bedeutet, dass Mann/Frau das Recht hat zu glauben was Mann/Frau will. Weiter heißt es, dass die Wahl der Religion frei ist wie es typisch ist für eine Demokratie und nicht etwa unbedingt vererbbar ist wie eine Monarchie. Und es heißt aber auch, dass das Wort Religion sowohl Wahrheitssuche als auch der Glaube an eine höhere Macht heißen kann.

Wenn ich an den Normen anhafte und sie für die letztendliche Wahrheit halte sind diese Normen des Rhythmus Feind. Sie verhindern den freien Fluss. Sie harmonieren nicht, sie verstimmen nur. Die Frage ist dann, wie gehe ich damit um? Ignoriere ich sie oder kämpfe ich dagegen an? Ich stelle fest, die Antwort darauf ist nicht ganz so wichtig, denn die Hauptsache ist, ich bin vollständig ich. Nur auf diese Weise ist tiefe Zufriedenheit möglich und die Befreiung allgegenwärtig präsent. Jeder Augenblick wird so zu einem Ort der Begegnung. Sogar der schrägste Ton. Wenn ich vollständig ich selbst bin umrundet das Wasser das Gestein wieder mühelos und ich weiß genau, was dieser Augenblick von mir verlangt, denn jede Handlung ist im Einklang mit dem übergeordneten Zusammenhang. Die Bäume, die Pflanzen, dass Wasser, die Felsen, all das ist wieder der Fluss und ich verstehe, dass wahre Zufriedenheit nicht irgendwann später erreichbar ist, sondern ausschließlich Hier und Jetzt. Frieden in Inneren bedeutet nämlich Frieden auch in der Außenwelt.

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HINDERNISSE


Bäume und Pflanzen,
Das Wasser und die Felsen,
All das ist der Fluss.

Die Natur rundherum, das Wasser, die Steine, all das ist der Fluss. Die Steine stellen für das Wasser keine Hindernisse dar, sie sind Teil des Flusses und als solche bestimmen sie mit, welche Strecke hinab ins Tal führen soll. Der Strom fließt unentwegt. Er ist die Bewegung selbst und trotzdem geht von ihm eine tiefe Ruhe aus. Es ist seine unerschütterliche Beständigkeit. Ich richte den Blick auf das Wasser, auf das Zusammenspiel mit dem Gestein und frage mich warum wir die Felsen, die dem Wasser den Weg weisen als Hindernisse wahrnehmen. Zusammen wirken sie wie zwei Aspekte ein und derselben Form, nichts erweckt den Anschein eines unnötigen Kraftaufwands. Mir wird bewusst, dass ein echtes Hindernis nur die Eile ist. Ich glaube zu erkennen, dass es das Tempo ist, welches den Eindruck der Hast erweckt. Ich schaue ein zweites Mal hin, ich sehe wie das Wasser mühelos das Gestein umrundet, und frage mich warum füge ich das Wort „Hindernis“ hinzu. Ist dieses Wort nicht zuviel? Ist es nicht ganz und gar unpassend? Und viel wichtiger noch, füge ich damit nicht automatisch auch die Vergangenheit und die Zukunft dazu?

Wie sich unsere Zivilisation im Strom der Geschichte bewegt, die Art und Weise wie diese Bewegung vollzogen wird, wird von der Kultur dargestellt. Wir blicken zurück in die Geschichte und trotz all der Fehler und Tragödien der Vergangenheit, können wir mit Stolz behaupten wir hätten kulturell vieles erreicht. Die Vernunft, die demokratischen Grundrechte, das kulturelle Erbe, all diese Güter wären heute nicht das was sie sind, hätte sich nicht alles so zugetragen wie es geschehen ist. Somit ist die Akzeptanz der eigenen Geschichte ein wichtiger Schritt in Richtung wahren sozialen Frieden. Und doch hören wir in der Gesellschaft wieder das Wort „Leitkultur“ und mit diesem Wort die Stimmen die besagen, man habe sich an das zu richten was das kulturelle Erbe der Nation besagt. Ich frage mich welchen Wert ein kulturelles Erbe hat, wenn dieser auf dem Prinzip der Ästhetisierung der Moral aufbaut? Eine Frage, die darauf hinweist, dass schon das Wort Leitkultur etwas Elitäres und damit auch etwas Autoritäres an sich hat. Hören wir da nicht die Stimme des Totalitarismus im Hintergrund? Erinnert das etwa nicht an die auf Effekte setzende Inszenierungen von einst, welche der ideologischen Einflussnahme dienten? Ist die Leitkultur eines Landes, wenn es so etwas überhaupt gibt, also ein Hindernis oder ein Segen für die kulturelle Entwicklung in einem Land? Eine Frage die darauf hindeuten soll, dass eine Hürde erst dann ein Hindernis ist, wenn wir akzeptieren, dass es ein Hindernis ist.

Ob in guten oder in schlechten Zeiten, im Verlauf der Geschichte hat die Menschheit immer nach vorn geblickt. Trotz aller Ungewissheit, trotz aller Rückschläge haben wir immer weiter den Fortschritt und die Herausforderung gesucht. Wir haben gelernt über uns hinauszuwachsen, uns durchzusetzen, erfolgreich zu sein. Mit der Hilfe der Wissenschaft hat der Mensch es sogar geschafft seine Angst vor dem Unbekannten zu überwinden und hat in seinem Vorwärtsdrang sogar den Mond erreicht. Und doch, der Fortschritt hat auch ein anderes Gesicht. Wir sind an den Punkt angelangt an dem wir feststellen müssen, dass die natürlichen Ressourcen der Welt in der wir leben nicht nur begrenzt sind, sondern auch in Gefahr. Werden wir es als Menschheit schaffen das soziale und ökologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, oder sind wir als Menschheit wie andere Spezies vor uns ebenfalls dem Untergang geweiht? Wir haben vieles erreicht, doch die Ungewissheit in Bezug auf die Zukunft ist heute in der öffentlichen Diskussion mehr denn je präsent. Nur eine Hürde oder doch ein unüberwindbares Hindernis?
Mehrere Fragen ohne Antwort. Gleichgültig was ich tue, die Geschichte scheint sich unentwegt zu wiederholen, denn wie ein Stehaufmännchen wähle ich immer wieder den selben Weg. Mit dem Blick auf die Außenwelt gerichtet beziehe ich von dort immer wieder neue Motivation. Aus der Karriere, aus der politischen Einstellung, aus der Familie, aus der Religion. Doch was sind all diese Dinge, wenn ich nicht sehe, dass das was ich wahrnehme von meiner Innenwelt abhängt? Kein Wunder, dass in Momenten des Zweifelns ich den Eindruck habe, das Leben wäre ein Hindernislauf. Wo ich auch hinschaue Hindernisse versperren mir überall den Weg. Am Ende des Weges angelangt, wenn es weder Ausweg noch Wahl mehr gibt, wähle ich den einzig noch übriggebliebenen Weg. Ich richte den Blick nach Innen, kehre zur Atmung, zur Haltung des Körpers und damit wieder zu diesem Augenblick zurück. Ich kehre zur Einheit von Körper und Geist zurück und lasse damit auf natürliche Art jedes Hindernis los. Auf dieser Weise erkenne ich klar, dass wenn ich Hindernisse im Äußeren wahrnehme, dann nur deshalb weil sie in meinem Inneren sind. Die Hindernisse die immer wieder aufkommen, und die verursachen, dass ich immer wieder die selben Fehler und die selben Verhaltensmuster wiederhole, befinden sich also allein in mir selbst. In der Form wie ich die Welt wahrnehme. Als eine Bewegung die sich an der Oberfläche abspielt und die völlig abgetrennt von meiner inneren Welt ist. Ich stelle fest, dass diese nicht nur meine Geschichte, sondern die der ganzen Menschheit ist. Wie sonst ließe sich erklären, dass so viele von uns ewig gesucht haben und nie gefunden haben? Wie sonst ließe sich erklären, dass das Autoritäre wie Unkraut immer wieder aufkommt? Wie sonst ließe sich erklären, dass wir uns noch immer als getrennt von der Natur wahrnehmen und immer noch nicht begriffen haben, dass es keine nachhaltige Entwicklung geben kann, wenn diese uns nicht ebenfalls mit einbezieht?

Im Buddhismus stehen die Türen immer offen. Sowohl hinein als auch hinaus. Niemand wird gezwungen zu bleiben, niemand wird gezwungen zu gehen. Das will besagen, dass immer Hoffnung besteht. Solange wir leben, nach dem Einatmen folgt das Ausatmen von selbst. Es liegt also immer an uns selbst, die Dinge im Kontext zu betrachten, jenseits von jedem Hindernis. Mehr noch, das was wir nicht tun, kann niemand anders für uns übernehmen. Es liegt immer ausschließlich an uns selbst zu erkennen, dass die Schwierigkeiten in unserer Praxis wie die Steine in einem Fluss sind. Sie sind keine Hindernisse, wie das Wasser sind sie der Fluss.

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KARMA II


Im reinem Wasser,
Spiegelt sich alles genau.
Endlose Stille.

Der Frühling löst den Winter ab. Das Licht der Sonne bedingt die Dunkelheit der Nacht. Das Wasser eines Flusses das hinunterfließt findet seinen Weg um das Gestein. Ursache und Wirkung ist das unfehlbare Gesetz, dass Raum und Zeit durchdringt. Jenseits von Recht oder Unrecht ist es in seiner Präzision unnachgiebig, ja manchmal sogar grausam. Nicht nur, dass es immer und überall allgegenwärtig präsent ist, wir können uns seiner Gesetzmäßigkeit nicht entziehen ganz egal wie gut unser Versteck ist. Anerkennung, Schönheit, Familie, Macht, Herkunft, Ruhm, Geld. Am Ende sterben wir und jeder stirbt für sich allein. Niemand anderes kann es für uns tun, niemand anderes hat dafür die Schuld. Wir sind ganz und gar vorüberziehende Wolken, die der Willkür des Windes ausgesetzt sind. Wohin ziehen die Wolken, woher kommt der Wind? Manchmal glaube ich es zu wissen und behaupte zu wissen was die Stille ist. Doch eigentlich weiß ich es nicht. Wie auch, wie könnte ich es je wissen, wenn es keine Frage von Wissen oder nicht Wissen ist? Jeder Augenblick ist unermesslich, unvergleichlich und neu.

Manchmal, den Verlauf der Geschichte betrachtend, glaube ich zu erkennen dass die gesellschaftliche Entwicklung wie die Wirtschaft in Form einer Sinuskurve verläuft. Wachstumsphasen und Rezessionen lösen sich fließend gegenseitig ab und gehen periodisch in einander über. Ähnlich wie der Liberalismus und der Autoritarismus in einer Gesellschaft, wie die Armut und der Wohlstand oder wie der Frieden und der Krieg. Jedes gesellschaftliche Phänomen entwickelt sich solange wie es durch das gegensätzliche abgelöst wird. Ich frage mich, ist dieses das Karma dieser Gesellschaft? Kehrt nach der Toleranz, der Offenheit und den humanistischen Werten der Vernunft wieder Zucht, Disziplin und Autorität ein? In Anbetracht der Geschichte dieses Landes und dieser Stadt, ein alarmierender Gedanke wie ich finde also schaue ich noch mal genauer hin. Tatsächlich, die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Es geht nicht mehr um das konstruktive Gespräch oder den Austausch von Wissen. Es ist alles nur Vorwand. Es geht nicht mal darum nicht der Verlierer zu sein, es geht um Gewinnen um jeden Preis. Dazu ist jedes Mittel recht: Networking und das was anders ist an den Pranger stellen wo es geht. Lautsstark dagegen sein. Schlechte Nachrichten sind besser als gar keine Nachrichten. Gehört werden, Medienpräsenz um jeden Preis. Zum Schweigen bringen, Notfalls mit Kraft. Das alles wurde genau hier schon mal erlebt. Bahnt sich nun wieder die Wende ins Autoritäre an? Auch diese Frage wurde im Verlauf der Geschichte immer wieder gestellt und es ist verblüffend wie oft sich das Malheur wie eine selbsterfüllende Prophezeiung Realität geworden ist. Manchmal kam es aber auch anders, denn immer wieder sind Menschen aufgestanden die erkannt haben, dass die Vernunft nicht zu einem Ideal verkommen darf und dass der Verlauf von Sinuskurven aktiv beeinflussbar ist. Jede Schwierigkeit verbirgt in sich die Möglichkeit daran zu wachsen, auch das gehört zum Karma dazu.

Die Sinuskurve sowie das immerwährende Aufstehen nach dem Fall, all dies empfinde ich als sehr vertraut. Warum verläuft meine eigene Geschichte so überraschend ähnlich dem Verlauf der Geschichte dieser Stadt? Gibt es da eine geheime Analogie? Anhand meiner Historie beobachte ich, dass wenn ich mal gefallen bin, dann vor allem aus Ignoranz. Aus dem Unwissen darüber, dass jenseits der Anhaftung und der Gier sowie der Ablehnung und der Wut, absolut Nichts von der Ganzheit getrennt sein kann. Ähnliches glaube ich in der Gesellschaft beobachten zu können. Obwohl die Religionsfreiheit ein Recht ist, dass unmissverständlich in der Verfassung verankert wird, wird es immer wieder in Frage gestellt. Sei es weil das was anders ist angefeindet oder offen abgelehnt wird, oder sei es weil Bekehrung versucht wird. Doch spiegelt all diese Ablehnung gegenüber dem was anders ist nicht eigentlich mangelndes Vertrauen in den eigenen Glauben wieder? Und was ist mangelndes Vertrauen wenn nicht Angst? Angesichts der zunehmenden Radikalisierung im Namen des Glaubens frage ich mich also, ob es für die verschiedenen Religionen nicht an der Zeit wäre, von der aktiven Missionierung Abstand zu nehmen. Schließlich wird der Versuch jemanden von etwas Anderem zu überzeugen immer ein aggressiver Akt sein. Vielleicht wäre dies eine wirkliche Friedensbotschaft für die Welt. Niemand bräuchte mehr Angst zu haben, durch einen heimlichen Bekehrungsplan entmündigt zu werden. Niemand müsste mehr sterben im Namen von Glauben oder Religion. Vielleicht gäbe dies den Religionen ihre Glaubwürdigkeit zurück. Dann wären die Religionen endlich nicht mehr ein Instrument zur Ausübung von Macht, sondern wären tatsächlich für die Menschen und ihre Bedürfnisse da.

Aus der Praxis von Zen weiß ich, dass das Mentale mein Karma wiedergibt. Mein Karma ist das was ich gelernt habe das richtig und falsch ist, meine Vorstellungen, meine Hoffnungen, meine Meinung, meine Wünsche. Von diesem Karma gewinne ich Unabhängigkeit wenn ich mich auf die Haltung besinne, wenn ich bewusst einatme, wenn ich bewusst ausatme. Da ist sie wieder die Sinuskurve, diesmal in mir selbst. Was ich denke hängt direkt von meinen Körper, meiner Atmung, meiner Geisteshaltung ab. Halte ich meinen Geist offen für alle Dinge, hafte ich selbst auch an meiner eigenen Meinung nicht mehr an, gibt es keine Meinung die Recht oder Unrecht hat. Frieden kehrt ein und ein weiter und offener Raum für eine wirkliche Begegnung entsteht. Ganz natürlich wird das alte trennende Karma umgewandelt in eine verbindende und damit heilende Energie in allen Richtungen von Raum und Zeit. Der Winter wird auch weiterhin durch den Frühling ablöst und wenige Monate später leitet dieser den Sommer ein. Die Welt zieht weiter in ihrer Bahn, und das Licht der Sonne bedingt jetzt an einem neuen Ort die Dunkelheit der Nacht. Das Wasser eines Flusses findet nicht nur den Weg um das Gestein, zusammen mit den Steinen bildet es den Fluss. Den Strom von Ursache und Wirkung können wir nicht aufhalten, was wir aber sehr wohl beeinflussen können ist unsere Einstellung zu dem was Leiden schafft. Sind unsere Taten hier und jetzt wirklich friedlich, kehrt Frieden schon durch die Bemühung ganz natürlich wieder ein. Ursache und Wirkung ist ein unfehlbares Gesetz.

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