VERGÄNGLICHKEIT


Bunte Windglocken.
In allen vier Richtungen:
Die Vergänglichkeit.

Liebe LeserInnen, leider muss ich die Arbeit an diesen Blog einstellen. Leider ist die politische Situation in Deutschland derzeit derart, dass wenn ich weiterschreiben würde, ich mit erheblichen Nachteilen zu rechnen hätte. Seit längerem schon werden mir Grundrechte verwehrt, was in Ausgrenzung resultiert, neuerdings werde ich aber auch aktiv und systematisch in Konfliktsituationen mit den Gesetzt gebracht. All diese Umstände zwingen mich jetzt zu diesem Schritt.

Neulich bin ich gefragt worden, was die religiöse Praxis, angesichts der Probleme von Heute, der Gesellschaft zu bieten hätte. Meiner Meinung nach sehr viel. Sie vermag uns Trost, Heilung und Frieden zu geben, sowohl nach Innen, mit uns selbst, als auch nach Aussen, mit unseren Mitmenschen, mit der Gesellschaft in der wir leben. Trotzdem hat, wie wir alle wissen, die religiöse Praxis aber auch eine andere Seite, eine für den Frieden in der Gesellschaft sehr schädliche Seite, nämlich die des Sektarismus. Das Privilegieren derer die zu „uns“ gehören und das Benachteiligen derer die als die „Anderen“ identifiziert werden. Nicht zuletzt deshalb war meine Position bisher stets die, dass jegliche religiöse Praxis sich immer 1:1 mit den Gesetzt zu decken hat. Eine mit der Wahrheit engagierte religiöse Praxis darf nicht ein Mittel zum Zweck sein. Darf nicht nach dem Motto gelebt werden „das Ziel heiligt die Mitteln“ sondern, damit sie glaubhaft bleibt, sollte sich immer an das Gesetz halten, denn dieser ist das was uns allen, unabhängig von der Glaubensrichtung, das friedliche Miteinander ermöglicht. Um so mehr sollte die Justiz unparteiisch agieren und für alle Menschen die in dieser Gesellschaft leben da sein. Doch leider tut sie es nicht. Und so wie die Justiz andere öffentliche Institutionen auch. Leider werden Gesetze und Entscheidungen immer mehr in Sinne von Interessen und Privilegien ausgelegt. Die Würde des Menschen sollte aber für jeden/jeder zu jeder Zeit und überall in Deutschland unantastbar bleiben, egal wo jemand herkommt oder woran er oder sie glaubt oder nicht glaubt. Das gleiche gilt für Grundrechte wie die Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit oder das Recht auf Arbeit um nur einige Beispiele zu nennen.

Zuletzt möchte ich nur noch erwähnen, dass es im Buddhismus keine höhere Instanz als das Selbst gibt. Das Selbst ist sowohl „Ich“ als auch die „Anderen“ und das Selbst welches diese Einheit zwischen dem „Ich“ und den „Anderen“ verwirklicht hat, ist Buddha. So bedeutet das Wohl des Selbst, sowohl mein Wohl als das Wohl der Anderen und auch umgekehrt: das Wohl der Anderen bedeutet auch mein Wohl. In diesem Verhältnis des Gleichgewichts zwischen „Ich“ und „die Anderen“, meines Wohls und das der Anderen, bedeuten Zwänge Schwierigkeiten. Jetzt könnte gesagt werden wir würden mit unseren Schwierigkeiten wachsen, doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: wir können an Schwierigkeiten auch Zugrunde gehen, ein Beispiel dazu sind Krankheiten. Umso wachsamer müssen wir also sein, wenn uns Schwierigkeiten von Ausserhalb herangetragen oder auferlegt werden. Um es deutlich zu sagen: in der echten buddhistischen Praxis hat niemand, keine Person und keine Institution, das Recht uns zu bevormunden. Wer das Gegenteil behauptet instrumentalisiert die Buddhalehre. Es ist also einzig und allein persönlich abzuwägen, ob die Schwierigkeiten uns wachsen lassen oder ob sie uns schädlich sind und in diesem Fall bedeutet es für mich, dass ich die Publikationen in diesem Blog einstelle. Bleibt mir nur noch an Euch zu appellieren: Geht wählen. Die unantastbare Würde des Menschen ist das Selbst. Geht also wählen, wenn Ihr nicht in einem Land leben wollt, in dem die Würde des Menschen nicht mehr unantastbar ist, in dem die Religionsfreiheit nicht mehr garantiert ist oder in einem Land in dem die Meinungsfreiheit nur für ein Teil der Gesellschaft gilt. Im Buddhismus, die Vergangenheit als auch die Zukunft sind immer in diesem einen Augenblick von Hier und Jetzt vereint. Gassho.

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DIE STILLE


Hinter den Gittern,
Ein Bild und ein cooler Spruch.
Gewonnen? Vielleicht.

Ein Kind. Es ist voller Träume und Fragen. Es will lernen, eigene Erfahrungen machen, die Welt erkunden. Nicht mehr vorerzählt bekommen was es zu denken und was es zu fühlen hat. Es will selbst spüren, es will selbst anfassen, es will es selbst wagen. So ist das also mit dem Leben, es gibt die Freude, es gibt die Traurigkeit, es gibt den Ärger, es gibt die Liebe, es gibt die Träume und es gibt auch die Wirklichkeit. Es kommt in die Schule, wo jenseits des elterlichen Schutzes es die Regeln gibt. Geschrieben oder ungeschrieben, die Regeln setzen den Träumen Grenzen, sie weisen den Gedanken den Weg und sie machen einem mit einer bisher unbekannten Größe bekannt: die Stille.

Es gibt verschiedene Formen der Stille. Es gibt die Stille als Freund, es gibt die Stille als Feind. Es gibt die Stille der anderen und es gibt die Stille in einem selbst. Es gibt die Stille des Friedens und es gibt die Stille der Gewalt. Die Stille der Gewalt, nenne ich die Stille als Feind. Das ist die Stille die entsteht, wenn die eigenen Gefühle, Gedanken und Fantasien gewaltsam zum Schweigen gebracht werden. Darum wird sie die Stille der Gewalt genannt. Diese Form der Stille hat sehr viel mit den anderen zu tun. Wie werde ich akzeptiert, was ist gerade angesagt, wie verhalten sich die anderen, wie verhalte ich mich selbst. Die Stille der anderen hat also sehr viel mit meiner eigenen Stille zu tun, denn um den anderen zu entsprechen bin ich sehr oft selbst still. Oder tue ich mir Gewalt an? Die Stille der anderen, welche die Stille in einem selbst ist, hat also oft mit Gewalt zu tun.

Ich sage oft, denn oft ist es so, doch dass heißt nicht, dass es immer so sein muss. Es gibt nämlich noch eine andere Form der Stille und das ist die Stille die dort beginnt wenn die Gewalt zu Ende ist. Wenn die Trennung zwischen mir und den anderen aufgehoben ist. Darum nenne ich sie die Stille als Freund. Es ist die Stille des allgegenwärtigen Friedens, die Stille der unbeschreiblichen Zufriedenheit. Die Stille der Dankbarkeit. Diese Form der Stille gibt es also auch. Es ist die Stille, dass wie die unterste Schicht eines Gemäldes ist und allen Dingen in einem Bild als Grundlage dient. Wie die Luft, dass allgegenwärtig großzügig vorhanden ist. Die Stille, die überhaupt nicht still ist, weil sie im Gegensatz zu rein gar nichts steht. Weder zum Lärm, noch zur Freude, noch zur Traurigkeit, noch zum Ärger, noch zur Liebe, noch zu den Regeln, noch zur Wirklichkeit. Auch nicht zur Wirklichkeit? Auch nicht zur unmittelbaren Wirklichkeit welche sich jenseits des Begriffs befindet, die Wirklichkeit, welche die Bewegung des Lebens selbst ist? Ja, selbst zur Wirklichkeit steht diese Art der Stille nicht im Widerspruch, denn diese Form der Stille und die der unmittelbaren Wirklichkeit sind im Grunde nur unterschiedliche Aspekte ein und der selben Realität.

Eine Schweigespirale ist eine besondere Art der Gewalt. Sie arbeitet still und leise, ähnlich wie die Korruption. Sie ist konstant und verschwiegen wie ein eingeschworenes Network. Wie eine böse Brüderschaft der Nichts oder nur wenig nachgewiesen werden kann, weil sie die Korruption wie ein Hochleistungssport betreibt. Ständig sich verbessernd, immer das Neue in sich absolvierend in dem Glauben verloren, die Demokratie wäre ein Mittel zum Zweck und der Zweck die Diktatur der Mehrheit. Ganz und gar wie eine alte und allgemein bekannte Verschwörungstheorie. Das macht sie schwer greifbar: sind es die anderen oder bin ich es selbst? Sobald die Zweifeln beginnen, wirkt sie bereits. Im selben Augenblick wie die Unsicherheit hineingedrungen ist, beginnt sich die Spirale des Schweigens sich schon zu drehen, denn mit den Zweifeln ist der Kampf schon da. Automatisch setzen wir unsere Rüstung auf. Defensiv, furchtsam oder auf Angriff eingestellt. Das Kind in uns, mit seinen Träumen, seinen Fragen, seinen Fantasien, seiner Kreativität und Sensibilität bleibt dabei gefangen, es verkümmert, in manchen Fällen stirbt es sogar. Ist das die Art von Erziehung die wir wollen? Ist das die Zukunft, welche wir unseren Kindern möglich machen wollen? Egoismus, Besitztum, Führung, Dominanz? Nein. Diese Art der Erziehung käme gleich unseren Kindern unsere Ignoranz auferlegen zu wollen, denn nichts anderes ist der Kampf. Der Kampf ist etwas von uns künstlich geschaffenes, eine Art mentaler Verwirrung die durch den ständigen Lärm in unserem Inneren entsteht. Lärm, in der Meditation ist ein Synonym für Trennung, für das abgelenkt sein. Beispielhaft dafür ist die Dichotomie Lärm und Ruhe. Der Lärm ist aber nicht der Gegensatz zur Ruhe, dies ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir fügen den Wörtern eine Bedeutung hinzu, welche auf außenstehende Begriffe aufgebaut ist. Wir sagen Lärm und definieren es als das Gegensatz zur Ruhe. Die Illusion der Trennung entsteht. Tatsache ist aber, dass der Lärm und die Ruhe lediglich unterschiedliche Fragmente ein und der selben Wirklichkeit sind. Nicht im Zusammenhang ergeben die Fragmente ein ganz anderes Bild als das was die Wirklichkeit in jedem Augenblick offenbart. Sprich, unsere Gedanken und das was sich wirklich abspielt verlaufen nicht synchron. Das Denken ist immer in Begriffen und Erwägungen verloren: Ist das gut? Ist das schlecht? Wem wundert es so noch, dass die Dinge immer anders kommen als erhofft?

An dieser Stelle möchte ich deutlich sagen, dass die Lehren des Zen nicht auf Kolonialisierung aus sind. Wie könnte es denn anders sein, wenn alle Fragmente Teil des zusammenhängenden Bildes sind? So ist in unserer Praxis die Tür immer offen, sowohl zum hineinzukommen aber auch um hinauszugehen. Die Praxis des Zen ist kein Wettbewerb. Und schon gar nicht einer bei dem es etwas zu gewinnen gäbe. So wird jeder Glaube auf natürliche Art und Weise respektiert, denn absolut alles was es gibt ist ein Ausdruck des Lebens das wir teilen. Und doch ist es auch wichtig zu erwähnen, dass es nicht richtig wäre, die Meditation als eine Art Zufluchtsort in einer besseren Welt zu verstehen. Die Praxis des Zen hat nichts passives an sich, es ist nicht ein es sich bequem einrichten und tatenlos zusehen wie alles um uns geschieht, weil alles eigentlich fein ist so wie es ist. Zen zu praktizieren bedeutet nämlich, immer und immer wieder das unterscheidende Denken abzulegen um so zu handeln wie es die Situation gerade verlangt. Auf diese Weise, in dem Ausmaß wie die Praxis in uns reift, beginnen wir uns mehr und mehr mit dem zu harmonisieren was um uns geschieht. Mit anderen Worten, indem wir ganz bei dem sind was wir tun schützen wir das Kind. Indem wir unser Leben auf Basis dieser Praxis selbst gestalten erziehen wir es. Das Kind von Außerhalb, dass auch das Kind in uns ist. Mit all seinen Träumen, seinen Hoffnungen, seinen Enttäuschungen und seiner Furcht.

Nein, die Stille ist nicht das Gegenteil vom Lärm. Die Stille ist die Sprache der Natur, das Geräusch einer lodernden Flamme, das leise dahin plätschern eines Baches. Die Stille ist das hin und her treiben des Windes. Die Stille ist die Sprache der Erde, die uns stumm auffordert: Mensch erkenne dich selbst!

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FEMINISMUS UND ZEN

Steine auf dem Weg,
Sind keine Hindernisse.
Unkraut aber schon.

Ja, ein schlechter Feminismus ist besser als gar keiner. Nichts zu tun gegen eine missliche Situation ist immer die schlechteste Wahl. Das wissen wir auch aus der Zen Praxis ganz genau. Ob im Zendo, in der Küche, bei der Arbeit oder bei einer Zeremonie ist das rechte Bemühen immer von wesentlicher Wichtigkeit. Wer sich schon mal mit einem Zen Garten beschäftigt hat, weiß zum Beispiel dass der schlimmste Feind eines Gartens nicht das Wetter ist, sondern der Schmutz und das Unkraut. Das Wetter verändert sich mit den klimatischen Bedingungen, mit der Jahreszeit und diese natürliche Veränderung spiegelt sich im Garten wieder. Doch mit dem Unkraut verhält es sich anders. Es unterbricht den natürlichen Fluss der Linien und kommt immer und ohne Unterlass immer wieder auf. Also bedarf es beim Unkraut unweigerlich unserer Handlung, denn ob sich das Unkraut im eigenen Garten ausbreitet hängt einzig und allein von uns selbst ab. Ähnlich so verhält es sich mit dem Patriarchat. Ohne unser aktives Entgegenwirken breitet sich dieses immer weiter aus.

Um das Umkraut im Garten wirksam bekämpfen zu können bedarf es also der Praxis der aktiven Aufmerksamkeit. Dies gilt für einen Zen Garten genauso wie für die Öffentlichkeit. Also untersuche ich die Beschaffenheit dieses sozialen Unkrauts indem ich zurück gehe bis zu seiner allgemeinsten Definition: Das Patriarchat beschreibt eine Dominanzsituation. Das Dominanzverhältnis des Mannes über die Frau, dass in der Gesellschaft so wie wir sie kennen seit Jahrhunderten verankert ist. Es beschreibt also eine Situation des Ungleichgewichts, dass die Frau direkt unterjocht. Doch wer glaubt, dass diese Situation die Frauen allein betrifft irrt sich, denn Dominanz bedeutet immer Zwang und dieser betrifft den Unterwerfer genauso wie den der unterworfen wird. Mir fällt auf, dass dies ein wirklich wichtiger Punkt ist. In der Regel sehen sich Gewinner als Gewinner und Verlierer als Verlierer, das heißt wir nehmen uns als getrennte Wesen wahr. Auf der einen Seite die Frauen auf der anderen Seite die Männer. Auf der einen Seite das Gute auf der anderen Seite das Böse. Auf der einen Seite die Innländer auf der anderen die Ausländer. Auf der einen Seite die Blumen auf der anderen Seite das Unkraut. Doch sind all diese Dinge wirklich von einander getrennt? Was ich damit sagen will ist, dass in Wirklichkeit jedes Phänomen etwas vom augenscheinlich entgegengesetztem in sich trägt. So ist ein Teilaspekt der Frau der Mann, ohne dass Gute gäbe es das Böse nicht, genauso wie der Ausländer ein Teilaspekt des Inländers ist. Ohne Ausländer gäbe es keine Innländer genauso wie es kein Unkraut gäbe wären alle Pflanzen gleich. Unweigerlich sind wir alle also miteinander verbunden und deshalb ob wir es sehen oder nicht, leidet der andere leiden wir auch. Besonders wird dies deutlich in einem Verhältnis in dem es Gewinner und Verlierer gibt. In einem Verhältnis von Unrecht hat sich der Verlierer zu unterwerfen und deshalb leidet er, das ist leicht verständlich. Was wir aber oft übersehen ist das Leiden des Gewinners. Welches Leid? Dem der Fragmentierung, das Leid der Verblendung, das Leid des Zwangs.

Gegen ein Leid und noch mehr gegen ein institutionalisiertes Leid aktiv zu werden ist unser aller Pflicht, das ist unweigerlich wahr. Doch welcher Weg ist der richtige? Haben wir zum Ersetzen eines Zwangs durch einen anderen überhaupt eine Wahl? Die Antwort auf diese Frage ist ein klares ja und damit wären wir bei dem was ein schlechter Feminismus ist. Ein schlechter Feminismus baut auf Fragmentierung, auf Trennung und damit auf Feindbilder auf. Das bedeutet in letzter Instanz einen Zwang durch einen neuen Zwang ersetzen zu wollen. Es setzt auf eine Politik, bei dem das Ziel die Mitteln rechtfertigt und übernimmt damit automatisch die Vorstellung von einem vermeintlich besseren Augenblick als den gegenwärtigen. Doch damit wird die Trennung noch mehr verstärkt, das Zwanghafte wird verdeckt, in die Zukunft verschoben, quasi unzugänglich für den Heilungsweg. In der Zen Praxis gibt es eine Alternative für diesen Weg der unweigerlich immer wieder zum Leid führt. Dieser ist der Weg der Selbstbestimmung und der Emanzipation. Und dieser Weg setzt sofort dort an wo der Zwang beginnt, bei der Fragmentierung. Fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit auf das hier und jetzt sehen wir sofort was wir gemeinsam haben: wir sehen wie wir gegenseitig verbunden sind. In jeder Bewegung, mit jedem Gedanken, mit jeder Emotion. Achten wir diese Verbindung und pflegen sie aktiv, entfaltet sich auf natürliche Art und Weise die Empathie in uns. Sicherlich gibt es dann auch weiterhin das Vergehen und Entstehen aber das ist die Essenz aller Dinge also kein Grund zum Leid. Wie wirkt sich aber die Empathie auf das soziale Verhalten aus? Die Antwort liegt auf der Hand: durch Solidarität und Widerstand. Solidarität mit allen die unter dem Zwang leiden und Widerstand gegen den Zwang. Doch die Alternative endet nicht an dieser Stelle, denn sowohl die Solidarität als auch der Widerstand würden unweigerlich wieder zum Zwanghaften enden, fügten wir nicht eine Praxis von aktiver Aufmerksamkeit hinzu. Es ist das immer wieder zurückkehren zu dem was uns verbindet, was die wahre Gegenkraft zur wider kehrenden Lüge, zur Hetze und zur Instrumentalisierung entstehen lässt.

Die Emanzipation ist also keinesfalls Frauensache allein. Sich emanzipieren bedeutet nämlich uns unserer rollenspezifischen Illusionen bewusst zu werden uns selbstbestimmt zu definieren was es heißt Frau oder Mann zu sein. Was es heißt Frau zu sein jenseits der gesellschaftlichen Erwartungen, jenseits der Rollen als Tochter, Mutter, Schwester, Haus- oder Karrierefrau. Und weiter, was es heißt Mann jenseits des Zwanges grob, stark, erfolgreich oder jung zu sein. Jenseits der Wahnvorstellung einer Invasion von außerhalb, vom Verlust der Identität oder der Beschützer zu sein. Hinter all diesen Konditionierungen, was heißt es ein Mann oder eine Frau zu sein? Die Antwort auf diese Frage finde ich als Mann direkt im Hier und Jetzt. Wenn ich mit der Aufmerksamkeit von den Zwängen zur Wirklichkeit dieses Augenblicks zurückkehre ist die Männlichkeit die Selbstbestimmung selbst. Ich bin davon überzeugt, dass es vielen Frauen genauso ergeht.

Entsprechend des Gesetzes von Ursache und Wirkung bestimmten wir heute wie die Gesellschaft von morgen sein wird, darum forsche ich in diesem Punkt der Selbstbestimmung jenseits des Zwangs weiter in der Hoffnung eine Alternative zur Konditionierung durch den Zwang zu finden. Gibt es einen anderen Weg als den Wettbewerb, gibt es einen anderen Pfad in der Bildung als den Auschlußes, der Panik oder der angsterfüllten Antwort? Ja den gibt es. Definitiv gibt es ihn solange wir ein Mittel finden nach Innen zu schauen in uns selbst. Solange wie wir eine Möglichkeit finden mit der kompromisslosen Wahrheit in Kontakt zu sein. Denn nur dort können wir die Trennung überwinden und damit auch Illusionen wie jene der Dominanz, der Unterwerfung, der Dominanz als das aufdecken was sie sind. Als das Unkraut im Garten des Selbst. Als die wahren Ursachen für das Patriarchat. Das was wir als die Äußere Welt wahrnehmen ist nämlich immer ein getreues Abbild unserer inneren Welt.

Ja, ein schlechter Feminismus ist besser als gar keiner. Nichts gegen das Unkraut zu unternehmen bedeutet es zu billigen und diese Billigung ist in einem Garten immer die schlechteste Wahl, denn das Unkraut und der Schmutz verhindern den Fluss. Dem gegenüber steht der Weg der Selbstbestimmung und der Emanzipation. In einem Zen Garten wird dieser Pfad durch die Wasserlinien dargestellt. Die Wasserlinien führen um die großen Steine herum. Diese Steine, könnten wie Hindernisse für das Wasser verstanden werden, sind sie aber nicht. Die Kunst eines Zen Gartens besteht nämlich gerade darin, aus den großen Steinen ein Teil des Wassers zu machen das unaufhörlich weiter fließt.

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ZEN UND DIE MAUER


Vor dem Hochwasser,
Grenzen Dämme das Flussbett.
Ewig Achtsamkeit.

Du willst also tatsächlich wissen was eine Mauer für mich bedeutet? In Berlin wissen wir nämlich genau warum wir keine Mauern mögen. Wir wissen warum das errichten einer Mauer zwischen zwei Ländern nur falsch sein kann. Wir wissen es, weil wir es selbst erlebt haben. Wir wissen es, weil wir selbst erfahren haben, was es heißt getrennt von der Familie, den Verwanden, den Freunden durch eine Mauer leben zu müssen. Und trotzdem mauern wir unentwegt weiterhin, auch hier in Berlin. Trotzdem errichten wir auch weiterhin Zäune um uns herum. Nicht immer aus Beton, das ist wahr, doch Mauern müssen nicht immer aus Zement sein. Als aller erstes ist da die Mauer im eigenen Kopf.

Die Mauer im Geist ist im Grunde eine Ideologie. Sie ist das vermeintlich Gute oder anders gesagt unsere Interpretation davon. Sie ist der Kapitalismus, der Kommunismus, der Feminismus, der Egoismus, der Dualismus, der Buddhismus, der Anarchismus. Die Mauer im Geist ist ein „Ismus“. Ein Gedankenkonstrukt im dem die Feindbilder die Steine sind und die Angst das Beton. Doch damit diese Art von Mauer richtig wirksam ist bedarf es noch einem wichtigen Element: dem der Lüge. Nur das bewusste anwenden von Täuschung und Trug macht eine Mauer erst wirksam und hält sie auch langfristig aufrecht. So sind Mauern für mich geradezu lügenschürende Monster die hetzen, mobben, anprangern, trennen, vertreiben und nicht zuletzt auch morden wenn es auch seien muss. Ja, das stimmt, genauso wie das Bollwerk aus Lügen, dass wir bereit sind aufzurichten, wenn es darum geht jene von denen wir glauben, dass sie nicht zu uns passen, auszugrenzen. Genauso wie das Gehör dass wir bereit sind jenen zu gewähren, die aus den Hintergrund Ängste und Lügen schüren mit ihren Predigten aus Hass. Nein, die Mauer in dieser Stadt ist nicht ganz weg. Die Mauer ist latent noch immer da. Davon zeugt die Mauer aus Lügen. Die Mauer aus Angst.

Religiöse Praxis heißt immer auf der Suche nach der Wahrheit zu sein. Es bedeutet sie zu suchen, sie zu finden und sich mit ihr vertraut zu machen. Es ist ein immerwährendes auf dem Weg sein. Das gilt für jede Religion, für jede spirituelle Ausrichtung, für jedes Glaubenssystem. Inklusive dem Atheismus, denn bewusst nicht zu glauben ist ebenfalls eine Überzeugung die man einnimmt, weil man glaubt, dass dies die Wahrheit ist. Dennoch lügen wir stets. Manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Manchmal aus Not, manchmal aus Ignoranz. Dies ist menschlich, das wissen wir alle, darum haben wir Konventionen entwickelt, die uns helfen mit unseren allzumenschlichen Unzulänglichkeiten umzugehen. Die Moral, die Gebote, die Ethik sind einige davon. Dennoch unterscheiden wir. Zwischen denen von hier und denen von dort. Zwischen denen die zu uns gehören und jenen die nicht. Auch dies ist menschlich, auch das wissen wir alle, doch da ist noch etwas, dass überhaupt nicht ok ist und keinesfalls verharmlost werden sollte als ein bloßer Scherz oder als ein Streich: das ist das bewusste einsetzen von Lügen als Strategie. Ein Verhalten, dass paradoxerweise so häufig in jedem Glaubenssystem anzutreffen ist. „Du Hund!“, „Du Ungläubiger!“ „Du hast mich betrogen, dafür zahlst du jetzt!“. Auch dem Buddhismus sind diese Einstellungen nicht fremd. Auch dem Zen ist es nicht unbekannt, dass das Lügen oder die absichtliche Zuweisung von Schuld in der Auseinandersetzung mit dem Fremden ein wirksames Mittel sein kann, wenn Frau oder Mann den Erfolg sucht. Und doch obliegt der absichtlichen Lüge mit manipulativer Absicht aus buddhistischer Sicht ein großer Widerspruch, ein großer Fehler, ein klarer Irrtum. Der Fehler der Trennung. Die Trennung zwischen mir und den anderen, zwischen Innerhalb und Außerhalb zwischen der absoluten und der relativen Wahrheit. Ein Irrtum der vor allem auf der Illusion basiert nicht zu verstehen, oder nicht darauf vertrauen zu können, dass in diesem Augenblick alles miteinander verbunden ist. Sogar das Leben und der Tod. Um es klarer auszudrücken, aus der Sicht der Praxis des Zen, ist das Lügen weder gut noch schlecht, nur wenn du lügst, in diesem einen Augenblick, dann bist du ein Lügner nichts sonst. Dann bist du weder ein guter Buddhist, noch ein entschlossener Mensch noch eine emanzipierte Frau. Das ist eine der Hauptbotschaften des Gedichtes von der Einheit von Form und Essenz, dem Sandokai. Unsere Praxis darf nicht zu einer Art Maske verkommen, die wir auflegen um andere zu schwächen damit wir sie dominieren können, weil der andere sich schuldig oder minderwertig fühlt. Und wenn Du trotzdem denken solltest, dass es im Zen so etwas wie eine Schuld gibt, die Du oder ich abzutragen hätten, dann möchte ich Dir hiermit ganz klar sagen: Du verlierst dich gerade in der Illusion. Und nimm bitte diesen Hinweis ernst. Wenn Du sagst ich hätte dich mal enttäuscht, dann kannst Du davon ausgehen, dass zuallererst ich mich selbst enttäuscht habe. Darüber hinaus bedenke, dass dieser vermeintliche Fehler von Gestern den Du immer noch mit Dir herumträgst uns beide dazu geführt hat dass wir gewachsen sind. Sonst wären wir jetzt nicht hier und Du hörtest mir nicht zu. Wenn Du von also von Schuld sprichst, sei dir bitte dessen bewusst, dass die Schuld in erster Linie wie eine Mauer ist. Sie trennt, sie ist destruktiv, sie hindert uns daran das zu sehen was uns vereint.

Es gibt also viele gute Gründe dafür Mauern nicht zu errichten, doch die wichtigste habe ich noch nicht genannt. Jenseits von jedem kulturellen Wahn, wenn wir den Blick unserer Aufmerksamkeit nach Innen richten sehen wir deutlich wie das Mauern unsere Angst und unser Leiden nur verstärkt. Dies erklärt auch warum, wenn Du mir ein Menschenrecht verwehrst, weil du glaubst du würdest deinen Überzeugungen dienen, dich näher dem Totalitären begibst als der Liebe die grenzenlos ist. Es ist wie ein Selbstschutzmechanismus den wir alle in uns haben, die Probleme auf außenstehende Dinge zu übertragen, wenn sie im Grunde in uns selbst sind. All dies ist ebenfalls menschlich und dafür bieten viele verschiedene Wege Heil. Wenn Du Dir aber dessen bewusst bist und trotzdem weiter Mauern errichtest, dann sei Dir dessen bewusst dass Du Dich selbst der Befreiung verwehrst. Damit wären wir bei den Hetzern aus dem Hintergrund. Nicht nur meinetwegen solltest du darüber nachdenken welche Richtung du tatsächlich einnimmst, denn im Leiden sind wir (du und ich ) nicht getrennt. Möchtest Du einen Tipp haben? Du solltest wirklich überprüfen auf wen Du hörst und beachte dabei, dass die Angst der schlechteste aller Ratgeber ist, denn die Furcht ist an sich ein Gift. Die Angst errichtet Mauern in uns und rechtfertigt diese mit einem Glaubenssystem. Diese Kombination von Furcht und Glauben blendet uns total. Damit erhalten wir die Rechtfertigung dafür uns von anderen abzuschotten oder gar legitimiert uns Andersdenkende anzugreifen wenn es sein muss. Dabei könnte niemand anders als wir selbst die Mauern abreißen, die zwischen der Innen- und der Außenwelt trennt, denn die wirkliche Befreiung, das wirkliche Heil, findet nur dann statt wenn auch diese letzte Mauer gefallen ist. Doch wie unendlich weit sind wir davon entfernt die Trennung zu überwinden, wenn die Spaltung erst Mal unsere Überzeugung geworden ist? Dies gilt sowohl in Berlin als an jeden anderen Ort auf dieser Welt.

Willst Du wirklich wissen was Mauern für mich bedeuten? Mauern sind für mich der manifestierte Ausdruck des Leides in uns. Aber nicht nur das, denn alles was wir jetzt tun wirkt sich auch auf unsere Zukunft aus. Richten wir erstmal eine Mauer ein, beeinflussen wir den Strom von Ursache und Wirkung in eine bestimmte Richtung und zwar konkret in Richtung von noch mehr Leid. Setzen wir auf Offenheit und Hoffnung ist das was uns erwartet Zuversicht. Darum hätte ich einen konkreten Vorschlag an Dich: wie wäre es wenn wir gemeinsam statt einer Mauer aus Angst, ein Tor errichten würden? Ein Tor aktiver Aufmerksamkeit? Ein Tor nicht zwischen den Ländern, nicht zwischen Dir und mir, eines zwischen der Innen- und der Außenwelt. Alles andere käme dann von allein.

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SANDOKAI


Der Reiher legt dar,
Jenseits von schön und hässlich,
Sein wahres Gesicht.

Sekito Kisen (Shih-t´ou Hsi-ch´ien), 700 – 790, der Nachfolger von Seigen Gyoshi (Ch´ing-yüan Hsing-ssu) wurde auch der Stein Mönch genannt, weil er statt auf einen Zafu auf einen Stein zu meditieren pflegte. Eines Tages, als er ein Text von Sengzhao, dass die Lehre von Shunyata – der Leerheit erklärte las, sagte er: „Nur ein Weiser versteht die Myriaden von Dingen als sich selbst.“ Daraufhin schlug er auf den Tisch und sagte: „Für den Weisen gibt es kein Selbst, und doch gibt es nichts, was nicht sein wahres Selbst wäre. Der Dharma-Körper ist formlos, wer kann da von selbst und anderen sprechen? Der runde Spiegel reflektiert klar, und die wunderbaren Formen der Myriaden von Dingen erscheinen darin spontan. Das Wissen und seine Objekte sind nicht eins; wer sagt, dass sie kommen und gehen? Wie wahr die Worte dieser Schrift sind!“ Dann rollte er die Schirift zusammen und schlief sofort ein. Er träumte, dass er mit dem sechsten Patriarchen auf dem Rücken einer Schildkröte saß, die in einem tiefen See schwamm. Später verfasste er das Sandokai – Die Einheit vom Relativem und Absolutem – eines der wichtigsten Sutren des Soto Zen. San steht für vielfach, Unterschied, Form. Do für Einheit, Gleichheit. Ku für Leerheit. Kai für Begegnung. Das Sandokai handelt also von der Verwirklichung der fundamentalen Einheit innerhalb der Widersprüche und der Dualität. Insofern auch Heute ein Text von fortdauernder Aktualität.

Sandokai – Die Harmonie zwischen Unterschied und Gleichheit

Der Geist des Großen Weisen aus Indien,
Wurde innigst, direkt und verborgen weitergegeben
von West nach Ost.
Die Menschen sind verschieden in Gefühl und Intelligenz,
Doch auf den Weg
Gibt es keinen Süden
Und keinen Norden.
Die geistige Quelle
Ist rein und glänzend,
Allein die Nebenflüsse fließen in der Dunkelheit.
Zu sehr an den Erscheinungsformen
Zu haften,
Führt zur Täuschung.
Der Essenz zu begegnen
Und Ihr zu folgen
Ist nicht die wahre Erleuchtung.
Bestimmt durch das Gesetz
Der wechselseitigen Abhängigkeit
Durchdringen einander alle Pforten
Und all ihre Gegenstände –
Zusammen und nicht zusammen.
Beide können in harmonischer Weise
Zueinander kommen.
Findet diese harmonische Begegnung
Nicht statt,
Bleiben die beiden an ihrem Platz.
Die Essenz aller sichtbaren Dinge
Besitzt einem jeden entsprechend
Unterschiedliche Eigenschaften
Und Bilder.
Die Wurzel der Stimme verändert sich
Mit Freude
Und Leid.
Diese dunkle Tiefe ist die Welt
Der Verbindung der Elemente,
In allen Richtungen –
Oben, unten, in der Mitte.
Doch angesichts des Lichtes
Sind die Gegenstände hell,
Und an ihrem Platz im Dasein
Können wir erkennen,
Was rein und was verschmutzt ist.
Das Wesen der vier großen Arten
Kommt von selbst
In den Ursprung zurück
So wie das Kind
Seine Mutter wieder findet.
Das Feuer wärmt,
Der Wind weht,
Das Wasser ist nass,
Die Erde ist hart.
Für die Augen gibt es die Farben,
Die Ohren nehmen die Töne wahr,
Die Nase hebt die Gerüche hervor,
Die Zunge kann Salziges und Süßes
Unterscheiden.
Doch alle Daseinsformen,
Wie die Blätter der Bäume,
Werden von der Wurzel ernährt.
Der Ursprung und das Ende
Entspringen der gleichen Quelle: KU
Der Ursprung und das Ende
Kehren zurück ins Nichts
Das Edle wie das Alltägliche
Können benutz werden
Wie es euch beliebt
Das Licht ist in der Dunkelheit.
Schaut nicht mit finsterem Blick.
Die Dunkelheit ist im Licht,
Schaut nicht mit leuchtendem Blick
Licht und Dunkel
Stehen einander gegenüber,
Doch das eine
Hängt ab vom andern
Wie der Schritt des rechten Beines
Von dem des linken.
Jede Daseinsform hat ihren Nutzen.
Gebraucht sie,
Wie immer ihre Stellung sein mag.
Erscheinung und Essenz
Fügen sich genau
Ineinander.
Pfeil und Lanze stoßen zusammen.
Wenn ihr diese Worte hört,
Müsst ihr die Quelle verstehen.
Verharrt nicht
In irrigen
Und egoistischen
Vorstellungen.
Wenn ihr den Weg
Nicht verstehen könnt,
Selbst wenn ihr auf ihm geht,
Werdet ihr ihn nicht Erlangen können.
Lenken wir unseren Schritt
Nach vorn,
Hier und jetzt,
Gibt es weder Nach noch Fern.
Der geringste Zweifel
Wirft einen Abgrund auf,
So tief
Wie zwischen Berg und Fluss.
Ihr,
Die ihr den Weg sucht,
Vergesst nicht
Den gegenwärtigen
Augenblick.

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START DER ZEN GRUPPE SHIN POH JI

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DENKEN UND ZEN


Ein großer Reiher,
Rastet über den Garten.
Gleich fliegt er davon!

Meditieren ist nicht das was Du denkst. Hast Du diesen Satz nicht auch schon mal gehört? Ich ebenfalls. Sehr oft sogar. Und manchmal habe ich sogar geglaubt verstanden zu haben was damit gemeint ist. Doch wie oft musste ich feststellen, dass ausgerechnet dann wenn ich mich am nahesten dieser Wahrheit glaubte, ich am weitesten davon entfernt war. Einfach weil meditieren nicht das ist, was wir denken dass es ist. Es ist nicht nur die Einheit von Körper und Geist, es ist nicht nur die Emotion in Einheit mit der Vernunft oder das Tor durch das die Außenwelt in die Innenwelt fließt. Es ist viel mehr als das. Es ist die ewige Weite dieses Augeblicks. Es ist dieser eine Moment von Hier und Jetzt. Wie könnte die Meditation also je das sein, was wir denken das sie ist? Wie könnte es ein Begriff sein? Dieser Augenblick, sobald wir ihn zu ergreifen oder beschreiben versuchen, dann ist er schon wieder fort. Und doch versuchen wir immer wieder zu verstehen und zu erfassen was dieser Moment ist. Vielleicht vage ahnend, dass dieser Augenblick die Tür zu uns selbst darstellt. Vielleicht zaghaft vermutend, dass wir uns irren wenn wir behaupten wir seien so oder so. Wir gehen fehl, weil wir immer wieder auf das Neue vergessen, dass wir uns unentwegt verändern, genauso wie dieser Augenblick und alle Dinge dieser Welt.

Weil die Meditation nicht das ist was wir denken dass sie ist, ist das Bewahren eines Geistes, der ungetrübt bleibt angesichts der Emotion, der höchste vernünftige und aufklärerische Akt. Findest Du nicht auch? Die wirkliche Vernunft geht nämlich weit über die Illusion der Kontrolle hinaus. Es bedeutet nicht, zuzulassen dass das was wir fühlen uns nicht wichtig ist. Es heißt nicht passiv zu sein angesichts dessen was um uns herum geschieht. Es bedeutet auch nicht, sich hineinzuflüchten in eine bessere perfektere Welt oder gar die Fähigkeit aufzugeben intensiv zu fühlen mit unserem ganzen Sein. Ganz und gar im Gegenteil sogar. Den Geist im Gleichgewicht zu halten, bedeutet zu erlauben in diesem einen Augenblick alle Dinge dieser Welt gleichzeitig zu sein. Es bedeutet diesen Moment in dem sich das Leben abspielt wertzuschätzen wie er ist. In dem wir zulassen, dass das Fühlen, das Denken, das Sprechen und unsere Taten gleichzeitig kommen und gehen ohne jegliches Hindernis. So gesehen bedeutet das Bewahren eines Geistes, der ungetrübt bleibt von der Emotion, Wahrhaftigkeit und Integrität. Eine Haltung aus der wir andererseits sofort verstehen, warum die Wut ein Gift ist. Je mehr Gift wir in unsere Innenwelt eindringen lassen, umso mehr Hindernisse, Unglück und Leid ziehen wir damit in unsere gesamte Lebenswelt an. Etwas dass so oft völlig unbemerkt und still vor sich hin geschieht. Oft bis es beinahe zu spät ist.

Die Meditation, ja sogar die gesamte Zen Praxis ist nicht das, was wir denken, dass sie ist. Wie oft habe ich mich aus dieser Praxis heraus gefragt warum ich besonders für schlechte Nachrichten empfänglich bin. Warum generiert eine schlechte Nachricht viel mehr Sensation in mir als eine gute? Kannst du es mir sagen? Warum bekommen ausgerechnet die schlechten Botschaften unsere gesamte Aufmerksamkeit? Ist es weil wir derart konditioniert sind, dass uns unser eigenes mechanisches Befolgen der Mediengesetze nicht mehr auffällt? Welche Gesetze? Zum Beispiel das Gesetz, dass eine schlechte Nachricht sich viel besser verkaufen lässt als eine gute Botschaft es je tun wird. Oder das Gesetz, dass eine schlechte Nachricht immer noch besser ist als gar keine Nachricht. Gesetzmäßigkeiten, die nahelegen, dass diese Eigenschaft für schlechte Botschaften rezeptiver zu sein, uns Menschen sogar angeboren sein kann. Manche Wissenschaftler behaupten das. Sie sagen, dass unser Denken von Grund auf, auf Angst eingestellt ist. Unser Gehirn sei so konzipiert, dass es uns rechtzeitig vor Gefahren warnen soll und weil eine Gefahr immer mit Furcht verbunden ist, sind wir von Natur aus empfänglicher auf eine schlechte Botschaft eingestellt. Dies wäre eine Erklärung warum wir anfälliger für das Schüren von sozialen Ängsten und Neid sind. Wie auch immer, Tatsache bleibt für mich, dass wenn ich nicht aufpasse und zulasse dass das Negative ungehindert in meine Welt eindringt und sich anfängt auszubreiten, bis das Gift der Wut und der Gier den allgegenwärtigen Frieden völlig verdeckt.

Die Meditation, das Verweilen in der Ruhe, ist nicht das was wir denken das es ist. Wie könnte es das denn sein? Unser wirkliches Angesicht ist weit entfernt von jeder Abhängigkeit. Weit weg von jedem Begriff über den wir uns für gewöhnlich selbst definieren. Jenseits unseres Namens, weit entfernt von unserem sozialen Status und unserem Beruf. Weit jenseits unseres Geschlechts, unserer Nationalität ja selbst weit entfernt von unserem Glauben. In der Ruhe zu verweilen bedeutet nämlich in der Reinheit unseres wirklichen Ursprungs zu sein. Dort wo sowohl Du als auch ich schon immer Zuhause gewesen sind. Dort wo es keinen Anfang und kein Ende gibt. Wie könnte dieser Ort nicht weit jenseits des Denkens sein? Gelegentlich werde ich gefragt, ob die Praxis der Meditation von jedem praktiziert werden kann und ich kann meine Verwunderung über diese Frage nur selten verbergen. Natürlich ist es so. Während der Zen Praxis geben wir nichts auf. Weder unser Vertrauen, noch unsere Liebe, noch unseren sozialen Status, noch unsere Herkunft, noch unsere Religion. Wir verzichten also auf nichts, lediglich lassen wir uns auf eine Art des Denkens nicht ein, die uns daran hindert dahin zu gelangen wo unser Ursprung ist. Dorthin wo die wirkliche Vernunft ihren Ursprung hat. Dort wo wir den wahren Glauben oder Nichtglauben treffen. Dort wo die Liebe keine Bedingungen stellt. Im Ozean der ungeteilten Wirklichkeit. Dort wo alles miteinander verbunden ist. Dort wo alles der ständigen Veränderung ausgesetzt ist und wo deshalb nichts erfasst werden kann. Wie könnte die Meditationspraxis also das sein was wir denken dass sie ist?

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